Interview mit Alexander Graf von Perponcher-Sedlnitzky
Wirtschaftsdialog | 13. November 2013

MIKOMI hat mit dem Personalexperten und Referenten des nächsten Wirtschaftsdialoges, Alexander Graf  von Perponcher-Sedlnitzky über die derzeitige Fachkräfte-Situation in Deutschland gesprochen, warum Unternehmen auf lange Sicht auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen sind und wie sie diese für sich gewinnen können. 

Herr Graf von Perponcher-Sedlnitzky, warum braucht die sächsische Wirtschaft ausländische Fachkräfte?
Ganz einfach, es fehlen Menschen in Schlüsselfunktionen. Für die Probleme gibt es aus meiner Sicht verschiedene Faktoren: Der demographische Wandel spielt eine Rolle, ebenso wie eine gewisse „Landflucht“ hin zu großen Städten, und es liegt auch daran, dass die Löhne noch nicht zu 100 Prozent angeglichen sind. Da können Fachkräfte aus dem Ausland helfen. Dieser Schritt ist relativ einfach und unter Umständen auch kostengünstig. Fakt ist, wenn wir ausländische Fachkräfte in den kommenden Jahren nicht integrieren können, dann bekommen wir Probleme.

Aber um Arbeitnehmer aus dem Ausland für sich zu gewinnen, müssen sächsische Unternehmen attraktiv werden. Wie macht man das?
Zunächst müssen sich die Unternehmen ein Stück weit innerlich öffnen. Es reicht nicht einfach zu sagen: "Es ist klug jemanden aus dem Ausland zu holen." Die Rahmenbedingungen müssen auch passen. Viele sächsische Unternehmen machen das ja bereits und verpflichten ausländische Kräfte.

Für die Unternehmen, die noch nicht soweit sind, ist jedoch diese innere Öffnung für internationale Arbeitskräfte wichtig. Da darf man dann nicht mehr zwischen Bewerber aus Brandenburg, Thüringen, Spanien oder England unterscheiden. Natürlich gibt es organisatorische Hürden, aber die kann man lösen. Wichtig sind dabei auch die Sprachhindernisse. Nicht jede Fachkraft spricht deutsch, sondern maximal englisch. Da ist es wichtig, das Unternehmen selbst und die Abläufe zu internationalisieren.

Wie wichtig sind ausländische Studenten für die sächsische Wirtschaft?
Wenn wir Studierende hier in Deutschland ausbilden, dann ist es ganz einfach sinnvoll diese einzustellen. Immerhin kostet die Ausbildung Geld. Wenn wir sie ausgebildet haben, warum sollten wir dann nicht auf das Know How zurückgreifen. In solchen Fällen kann es den Unternehmen auch egal sein, wo die Fachkraft genau herkommt. Wichtig ist nur, dass sie es fachlich drauf haben.

Auch Studenten, die direkt aus dem Ausland kommen, können unserer Wirtschaft helfen. Wir können allein von den unterschiedlichen Kulturen lernen. So wird zum Beispiel in China und Indien sehr hart gearbeitet. Wahrscheinlich härter als in Deutschland. Andere Völker haben vielleicht auch andere Affinitäten zu bestimmten Themen. Davon können wir lernen.

Welche Märkte für Sachsen/Deutschland sind noch interessant?
Mein Paradebeispiel dafür ist Spanien. Trotz vieler gut ausgebildeter Fachkräfte, herrscht bei jungen Leuten eine Arbeitslosigkeit von 30 bis 40 Prozent. Dort könnten die Unternehmen Fachkräfte vergleichsweise kostengünstig akquirieren. Gleiches gilt mit Abstrichen auch für Griechenland.

Aber auch in China und Brasilien gibt es immer mehr Fachkräfte. Oft hängt das jedoch von den Fachgebieten ab. Pauschal gibt es dafür keine Festlegung. Zum Beispiel gibt es im Elektrotechnikbereich viele gute Leute aus Nordafrika. Das gleiche gilt für die Rohstoff-Branche (Öl und Gas), da dort viele Ressourcen abgebaut werden und dadurch ein hohes Know How vorhanden ist.

In der Türkei ist dafür der IT-Sektor sehr stark. Außerdem schlummert dort ein großes Potential für den deutschen Markt. Wir sind (auch aus historischen Strukturen) als Migrationsland interessant für die Türkei und dort gibt es inzwischen ein solides Wirtschaftswachstum und sehr gute Universitäten.

Herr Alexander Graf von Perponcher-Sedlnitzky, danke für das Gespräch