Digitalisierung im Mittelstand
Wirtschaftsdialog | 17. September 2014

Zum Thema Datenschutz und Mobile Sicherheit diskutierten an der Hochschule Mittweida rund 80 Gäste aus Wirtschaft und Politik im Rahmen des Unternehmerfrühstücks. Der Dialog war eine gemeinsame Veranstaltung der Volksbank Mittweida, dem eBusiness-Lotsen Chemnitz und MIKOMI.

In Zeiten von Cloudcomputing, digitaler Vernetzung und elektronischem Datenverkehr ist das Thema Digitalisierung vor allem für den Mittelstand bedeutender denn je. Allein im ersten Halbjahr 2014 gab es über 670.000 Hackerangriffe durch Trojaner, so Dagmar Lange vom eBusiness-Lotsen Chemnitz. Dass personenbezogene Daten von Kunden und Unternehmensinterna unter diesem Kontext besonders geschützt werden müssen ist keine Frage. Doch wie sichert man sich und seine Firmendaten wirklich vor einem Fremdzugriff? Die Unsicherheiten im Publikum waren spürbar und nicht jedem war bewusst, dass Datenschutz bereits beim Smartphone beginnt. Wichtig ist dies vor allem im Hinblick auf Schadensersatzansprüche bei Datenmissbrauch beispielsweise durch Hackingangriffe. 

Hier sind Unternehmen in der Nachweispflicht, dass sie aktiv Datenschutz betreiben, darauf verwies der Datenschutzexperte Frank Meinert. So müssten bereits kleinere Unternehmen mit mehr als neun Mitarbeitern, die ständig mit personenbezogenen Daten arbeiten - also beispielsweise die Pflege einer Kundendatenbank - einen Datenschutzbeauftragten einsetzen. Zudem seinen technisch-organisatorische Maßnahmen essentiell. Dies reiche von räumlichen Zutrittskontrollen bis hin zum Trennungsgebot von Kundendaten und personenbezogenen Daten der Beschäftigten, die nicht auf einem Datenträger liegen dürfen.

Datenschutz ist unumgänglich

Doch Datenschutz und Datensicherheit muss im Unternehmen auch gelebt werden. Auditor und Experte für Informationssicherheitsmanagementsysteme Dr. Andreas Gabriel verglich das Problem mit einer Darmspiegelung. Zwar wolle es keiner, aber es müsse eben sein. Unternehmen sollten sich das Problem Datensicherheit wirklich bewusst machen, so Gabriel. Verschlüsselungen für den Datenaustausch und Email, die Datenablage bis hin zum WLAN seien zwar umständlich, aber notwendig. Dazu gehört nach Gabriels Ansicht auch die turnusmäßige Änderung der Passwörter, mindestens einmal im Quartal. Zudem sollten Unternehmen klare Regelungen für die private Nutzung ihrer Firmencomputer und Telefone festlegen. Der Experte empfiehlt hier sogar ein Verbot für private Emails, was dann aber auch kontrolliert werden muss, um rechtswirksam zu sein. Nur eine klare Regelung bringe hier Rechtssicherheit, beispielsweise bei Ausscheiden eines Mitarbeiters aus dem Unternehmen.

Schwachstellen bei der Datensicherheit

Und noch eines fügte Gabriel in diesem Zusammenhang hinzu: „Die Schwachstelle im Datenschutz sitzt vor allem zwischen Tastatur und Bürostuhl.“ Denn oft sind es Nachlässigkeiten und eigene Nutzungsgewohnheiten, die am Ende nicht datenschutzkonform sind. Hier sei zum Beispiel die Nutzung des US-amerikanischen Dienstes WhatsApp zu nennen, der beispielsweise auf das gesamte Adressbuch im Smartphone zugreift und eben nicht zwischen privaten Kontaktdaten und Kundenkontaktdaten unterscheidet. Oder: Denken Sie immer daran im Leihwagen die Adressdaten Ihrer Kunden aus dem Navigationsgerät zu löschen?

Für das Thema sensibilisieren

Im Rahmen des Unternehmerfrühstücks „Digitalisierung im Mittelstand. Mobile Sicherheit und Datenschutz.“ konnte vieles nur angerissen werden. Dialoge wie dieser dienen aber vor allem dazu für die Themen zu sensibilisieren und Handlungsanstöße zu geben. Zudem nutzten die Teilnehmer im Anschluss an die Vorträge die Zeit für individuelle Gespräche mit den Experten.