Interview mit Jeanie Micheel
Seminar | 01. August 2014

In der MIKOMI Medienwerkstatt können Selbständige, Fachkräfte im Marketing und alle Fotointeressierten lernen, wie sie ihre Motive effektvoll und aussagekräftig in Szene setzen. MIKOMI hat eine selbstständige Fotografin in Mittweida einen Tag lang begleitet und mit ihr über den Zusammenhang von gelungener Bildsprache und wirkungsvollem Motiv gesprochen

 

 

In der Wohnung von Fotografin Jeanie Micheel sitzt das Model Franziska Gneist auf dem Sofa und kann sich nicht entscheiden. Für die geplanten Aufnahmen hat sie mehrere Kleider mitgebracht, aber in welchem sie nun abgelichtet werden soll, weiß sie noch nicht. Sie möchte auf den heutigen Bildern schließlich besonders schön sein. Micheel schaut ihr über die Schulter und deutet auf eines der Kleider. Dann geht es in die Maske.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte

Aussagekräftige Bilder ziehen den Betrachter in ihren Bann, sie sind zugänglicher und direkter als reiner Text. Ohne werbewirksame Fotos ist keine Marketingkampagne vollständig. Nötig dafür ist aber ein entsprechendes Wissen, das gerade in kleinen und mittelständischen Unternehmen fehlt. Das bloße Auslösen der Kamera genügt nicht, denn der Kunde wird in der heutigen Zeit von professionellem Bildmaterial überflutet und hat dementsprechende hohe Erwartungen.

Den Anspruch an das besondere Foto hat auch Fotografin Jeanie Micheel. Sie begann das professionelle Fotografieren 2008, hat sich aber heute auf Portraits spezialisiert und veröffentlicht ihre Fotos international. „Ich möchte, dass jede Frau sehen kann, wie schön sie ist. Ich fotografiere ganz normale Frauen, die keine Modelmaße haben müssen“, erzählt Jeanie Micheel. Bedeutend sei es vielmehr, das Motiv effektvoll in Szene zu setzen. Ihre Bilder sind natürlich und trotzdem emotional. „Die schönste Beschreibung, die ich einmal gehört habe ist, dass meine Fotos eine ruhige Dramatik ausstrahlen“, so die Fotografin.

Und genau das ist es, was ein gutes Foto ausmacht. Gerade im Mittelstand sind es nicht selten die normalen Menschen, die für die Fotografie von Produkten, für Werbemittel oder ähnliches abgelichtet werden müssen. Was in diesem Zusammenhang immer zählt ist der Blick für das Motiv, im Normalen das besondere zu sehen.

Die eigene Vorstellung verwirklichen

„Wenn ich etwas sehe, das ich schön finde, dann möchte ich es für immer festhalten. Durch die Fotografie habe ich endlich geschafft meine Bilder im Kopf auszudrücken“, erklärt Micheel,  während sie zusammen mit ihrem Model durch den Stadtpark von Mittweida läuft. „Gurkenhals!“ ruft sie, und Franziska Gneist weiß, was gemeint ist. Sie senkt ihr Kinn und schiebt es leicht nach vorne. So wird ein Doppelkinn vermieden und das Gesicht der Person wirkt auf den Bildern präsenter. 

Es sind die kleinen Dinge, die ein Bild besonders machen und den Betrachter in seinen Bann ziehen. Dafür braucht es Kenntnisse in Bildkomposition, Belichtung  oder auch in der Motivwahl. Und nicht zuletzt helfen ein paar Kniffe, wie eben der „Grukenhals“ damit Personen auf dem Foto natürlich wirken. Micheel lässt sich viel Zeit für ihr Model und ihre Posen. „Es spielt bei mir keine Rolle, ob die Kundin bereits Erfahrung vor der Kamera hat oder nicht. Ich weiß, wie ich die schönsten Bilder aus den Frauen herauskitzeln kann.“ Den Auslöser betätigt die Fotografin erst, wenn das Bild perfekt ist.

Lichtstarke Fotografie

„Um schöne Fotos zu bekommen, ist es wichtig zu wissen, welcher Stil entstehen soll“, erklärt Jeanie Micheel. Sie fotografiert beispielsweise nur gegen das Licht und in der Dämmerung. „Dann ist das Licht besonders weich und schön.“ Um ein Motiv wirkungsvoll abzulichten, sind ein Verständnis der Kameratechnik sowie eine gekonnte Bildsprache unerlässlich. Ihr Wissen hat sich die Fotografin langjährig angeeignet, ihre Erfahrungen geben ihr Vertrauen in die eigene Arbeit. Sie weiß, wie sie das Potential jedes Motives ausschöpfen kann. Micheel schafft mit ihren Bildern Erinnerungen für das ganze Leben, gekonnt natürlich und emotional.