Interview mit Beate Appel
Zertifikat | 06. März 2014

Marketingmaßnahmen sind auch für kleine und mittelständische Unternehmen unumgänglich. Das Modul „Unternehmenskommunikation und Marketing" hilft den richtigen Weg durch die verworrene Landschaft der Medienkommunikation zu finden. 

Marketingexpertin Beate Appel leitet das Modul und spricht im Interview über die Herausforderungen von kleinen Unternehmen im Marketingbereich, welche Möglichkeiten das Internet bietet und warum Werbung heutzutage viel komplexer ist als zu Zeiten von Henry Ford. 

Frau Appel, was zeichnet für Sie gutes Marketing aus?
Mit einer guten Marketingaktion erreicht man exakt das Ergebnis, das man sich vorher überlegt hat. Dahinter steckt meist eine sehr kreative und kluge Idee, die aber mit systematischer Strategie- und Planungsarbeit untermauert ist.

Schon Henry Ford wusste: „Wer nicht wirbt, der stirbt.“ Wie aktuell schätzen Sie seine Aussage in der heutigen Wirtschaftslage ein?
Aktueller denn je, weil sich unsere Medienlandschaft in den letzten 20 Jahren revolutionär verändert hat und wir es jetzt mit einem sogenannten „Hyperwettbewerb“ zu tun haben. Hinzu kommen die unzähligen Kommunikationskanäle, mit denen zu jeder Zeit jeder mit jedem kommunizieren kann. Ich muss mich schon sehr genau auskennen, um genau sagen zu können, wer eigentlich welche Kommunikationsform wann und wozu nutzt.

Wir haben es heute also viel schwieriger als Henry Ford damals. Der konnte nämlich auf einem TV-Kanal, dreimal am Tag einen Werbespot schalten und erreichte damit ungefähr 80% der Bevölkerung. Heutzutage brauchen wir dafür ganz ausgefeilte und sehr intelligente cross-medial verknüpfte Kampagnen.

Gibt es Unterschiede zwischen den Werbemaßnahmen von großen und kleinen Unternehmen?
Es kommt darauf an, welche Kommunikationsziele das Unternehmen verfolgt. Der Mittelstand muss immer einerseits global und andererseits lokal handeln. Das ist für die Marketingstrategie, als auch für die Kommunikationsstrategie eine große Herausforderung, weil man sehr fein und zielgerichtet arbeiten kann – aber auch muss. Der Mittelständler braucht nicht unbedingt eine breit angelegte TV-Werbekampagne, er kann viel direkter kommunizieren. Man kann sich in diesem Bereich sehr viele und schöne Dinge ausdenken, die oft nicht klassisch, dafür aber umso effektiver sind.

Medienarbeit sehen viele Unternehmen als unverzichtbaren Bestandteil an. Warum brauchen aber gerade kleine Unternehmen Marketingstrategien?
Kleine und mittlere Unternehmen kommen möglicherweise ohne eigene Marketingabteilung aus, nicht aber ohne Marketing. Ein Teil von Marketing ist die Kommunikation und Kommunikationsbedürfnisse hat jedes Unternehmen – ganz unabhängig von der Größe. Eine Firma muss einerseits kommunizieren, um ihre Produkte zu verkaufen und sich von seinen Kunden und Interessensgruppen Wünsche einzuholen.

Wir haben in den letzten fünf Jahren sehr stark erlebt, dass mittelständische Unternehmen, die eigentlich auf klassische b2b Kundenbeziehungen setzen, immer mehr mit den Endkonsumenten kommunizieren. Viele merken, dass sie ein Informationsbedürfnis haben und durch das Internet neue Märkte und neue Kundenpotentiale erschließen können – abseits der durchaus stabilen, aber tradierten Marktbeziehungen.

Was können Unternehmer, die an dem MIKOMI Modul „Medienarbeit für mittelständische Unternehmen“ teilnehmen, erwarten?
Sie können ganz konkrete Lösungen für ihre spezifischen Herausforderungen und Probleme erwarten. Wir haben die Unternehmer dazu eingeladen, uns im Vorfeld und auch während des Seminars, ihr Profil oder ihre aktuelle Aufgabenstellung mitzugeben. Diese können wir dann reflektieren und/oder diskutieren. Außerdem beleuchten wir aktuelle Entwicklungen und zeigen auf, welche neuen Kommunikationsformen existieren. Viele Dinge sind für Mittelständler in der Kommunikation einfacher geworden – technisch als auch inhaltlich. Dadurch ist vieles heute erschwinglich, das man sich vor 10 oder 15 Jahren noch nicht leisten konnte.

Corinna Robertz (Mitteldeutsche Journalistenschule)