Der Mitarbeiter sollte nicht nur als Arbeitskraft angesehen werden
Information | 10. Juni 2015

Im Jahr 2030 in Deutschland könnte es eine Arbeitskräftelücke von 6,1 Millionen geben. Diese Prognose geht aus einer Studie der Unternehmensberatung Boston Consulting Group hervor. Um dieses Szenario zu vermeiden, sollten sich vor allem in KMU eine langfristige Personalplanung und eine konsequenten Mitarbeiterführung durchsetzen. Doch das Thema Mitarbeiterbindung ist noch nicht bei allen Unternehmen angekommen – der Mensch wird viel zu wenig berücksichtigt und lediglich als Arbeitnehmer betrachtet.

Sebastian Wanitschka, Geschäftsführer der nanolamina Oberflächentechnik OHG, sieht in seinem innovativen Beschichtungsunternehmen schon erste Entwicklungen:

„Meiner Meinung nach steht der Mensch viel stärker im Blickpunkt als noch vor einigen Jahren, was Grundvoraussetzung zur Unternehmensidentifikation ist. Es sollten alle Anliegen ob privat oder geschäftlicher Natur auf Augenhöhe besprochen werden können. Transparenz ist gefragt und ich fange da bei mir an, um alle Mitstreiter mitzunehmen und auf dem jeweiligen Standpunkt abzuholen.“

Auf Augenhöhe

In seinem Unternehmen wird gemeinschaftlich über neue Technologien und Möglichkeiten diskutiert und auf Augenhöhe kommuniziert. Umgesetzt wird es in seinem Team, welches aus sechs Mitarbeitern, zwei Freiberuflern und strategischen Partnern besteht, durch eine flache Hierarchie. Er selbst meint: „Es geht dabei auch um Grenzüberschreitungen und das Aufheben einzelner Sparten – unter anderem der Einsatz eines ganzheitlichen Lösungsansatzes sowohl im Tagesgeschäft als auch der internen Zusammenarbeit.“

 

 

 Von Haken und Spagat

Und gerade hier haben ältere Mitarbeiter, die nur das klassische Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Verhältnis kennen, nicht selten Schwierigkeiten. Viele denken „jetzt hört mir jemand zu und interessiert sich noch für mich, sogar was ich am Wochenende gemacht habe, das hat doch bestimmt einen Haken…“, so Wanitschka.  „Der Spagat zwischen Beruf und Familie wird man meiner Meinung nach nur so lösen können in Kombination mit individuellen Zeitmodellen, um auch das „Hamsterrad“ mal zum Stehen zu bekommen.“

Der Weg ist das Ziel

Der 34-jährige weiß um die zahlreichen Fragen, die sich bei der Mitarbeiterführung ergeben. Daher ist es wichtig, dass dieses Thema im Fokus der Unternehmen bleibt. Sebastian Wanitschka ist vielseitig interessiert, sucht sich Hilfe in Netzwerken und Verbänden im Inland und gewinnt Erkenntnisse aus der ganzen Welt. Und in der Mitarbeiterführung ist es für Wanitschka dann auch oft wie in der Forschungsarbeit: „Prinzipien wie 'der Weg ist das Ziel' sollten viel stärker ins Bewusstsein treten und das Handeln bestimmen, um letztendlich ein gutes bis sehr gutes Resultat zu bekommen. Häufig entstehen bei solchen Prozessen auch Nebenprodukte, die anderweitig zu Einsatz kommen können.“

Die Chance sehen

Gute Mitarbeiterführung mit all Ihren Facetten gewinnt demnach zukünftig noch mehr an Bedeutung. Und dabei hat jede Branche ganz unterschiedliche Herausforderungen zu meistern.  Diese Herausforderung als Chance zu betrachten neue Wege zu begehen könnte hier ein erster richtiger Schritt sein.

Autorin: Steffi Fichte
Foto: privat