Was Führungskräfte von alten Philosophen lernen können
Seminar | 19. April 2015

In den letzten Jahren ist die Anzahl von Publikationen, die sich mit der Philosophie von Dingen beschäftigt, stark angestiegen.  Zitate der alten Denker sind so schon lange keine einfachen Kalendersprüche mehr, sondern bieten praxisorientierte Anleitungen. Und gerade das ist für die Unternehmens- und Personalführung interessant.

Was wehrt ist nicht unbedingt gut

Die Märkte sind globaler und enger geworden, Tendenz steigend. Der Kunde bestimmt immer stärker, was in einem Unternehmen produziert werden soll. 

Durch die Änderung der Marktlage ändern sich die Anforderungen an das Management. Das erfordert auch ein Umdenken im Bereich der Personalführung. Andreas Polster, Geschäftsführer des Instituts für innovative Arbeitsgestaltung, Praxisberatung und Organisationsentwicklung, berät seit 20 Jahren Unternehmen in den Bereichen Kompetenzentwicklung für Führungskräfte und Gestaltung von Change-Prozessen. Er weiß:  „100 Jahre praktiziertes, weiterentwickeltes `Scientific  Management´ nach F. Taylor bleibt in unseren Köpfen nicht ohne Wirkung. Damit wird erfolgreiches Wirtschaften verbunden. Aber: Der Markt wird zunehmend enger und die Kunden immer kritischer. Niemand wird annehmen, dass wie bisher alles so weitergeht.“ 

Zwei Arten von Mitarbeitern

Grundlage für dieses Umdenken kann die X-Y Theorie von Douglas McGregor sein. Dieser Ansatz geht davon aus, dass es zwei Arten von Menschen gibt. Polster erklärt die Theorie: „Zum einen gibt es die Theorie X, die davon ausgeht, dass der Mensch immer eine Anleitung braucht. Ihm muss immer gesagt werden was er tun soll. Ohne Führung ist keine Arbeit möglich. In der Theorie Y gilt der Mensch als interessiert. Unter bestimmten Umständen gibt er sich Mühe. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen und er fair behandelt wird, dann ist der Mitarbeiter bereit gut zu arbeiten“. Die Grundlage für die neue Mitarbeiterführung ist also auch ein Wandel im Menschenbild.  Der Mitarbeiter gilt nicht mehr länger ohne Anleitung als unfähig, sondern er braucht nur die richtigen Bedingungen um produktiv zu arbeiten. 

Eine Erklärung wie diese Voraussetzungen gestaltet werden können, können die Philosophie und Soziologie gegeben. Dabei  geht es um die philosophischen Lehren, die sich auf Achtung und Beachtung anderer Menschen stützt. 

Personalführung mit Konfuzius

Konfuzius trifft hier den Nerv der Zeit. Als Berater der Machthaber in China forderte er die Führenden auf, die Kritik ihrer Mitarbeiter ernst zu nehmen. Nur durch das offene Ansprechen von Mängeln, können diese aufgedeckt werden. Wer einem steten Ja-Sagertum vorsteht, so Konfuzius, wird scheitern. Der chinesische Philosoph schreibt dazu:

„Eine gute Arznei schmeckt dem Mund bitter, aber sie ist gut für die Krankheit. […]  Die Könige Tang und Wu sind durch ‚Aber, aber’ zum Erfolg gelangt, die Tyrannen Jie und Zhou Jin sind durch ‚Ja, ja’ zugrunde gegangen [...]“

Konfuzius sieht in der offenen Annahme von Kritik eine unbedingte Notwendigkeit. Konstruktive Kritik bringt neues Wissen und zeigt mögliche Irrwege schon früh auf. Wer als Führungsperson sich allein wegen der Position gegenüber anderen Menschen überlegen fühlt, wird seine Mitarbeiter schnell verlieren.  Dies geht auch aus verschiedenen Studien hervor. Danach soll jeder vierte Mitarbeiter soll in Deutschland innerlich gekündigt haben. Diese ablehnende Einstellung zum eigenen Job wird häufig von Managern verursacht, die nicht mit ihren Mitarbeitern kommunizieren können. Als Coach für Führungspersonen rät Andreas Polster daher: „Eine Führungskraft muss eine reife Persönlichkeit haben und kritiktolerant sein. Eine moderne Führungskraft ist Psychologe, Coach, Unterstützer und der, der den Rahmen für die Arbeit seiner Angestellten absteckt.“ 

Schon Kant wusste: Jeder bekommt das, was er verdient

Zusätzlich zu seinen Aufgaben als Psychologe, Coach und Unterstützer ist ein guter Vorgesetzter auch eine Art Vorarbeiter. Er ist somit auch für die Arbeitskultur in seinem Team verantwortlich. KMU-Berater Polster hat beobachtet: „Jeder Chef bekommt die Mitarbeiter, die er sich schafft. Der Chef ist eine durchaus respektierte Figur. Er unterschreibt Urlaubsscheine und gibt Gehaltserhöhungen. Daher richtet sich ein Angestellter auf seinen Chef ein“. Nur wenige Mitarbeiter begehren gegen ihren Vorgesetzten auf. Unterdrückt er die Meinungen seiner Arbeiter und Angestellten, so wird er sie nie mehr zu hören bekommen. Auch nicht, wenn er fragt.  Etabliert der Vorgesetzte  allerdings eine offene Konfliktkultur, so trauen sich die Mitarbeiter eher Vorschläge zu unterbreiten. Dieser Gedanke kann mit dem kategorischen Imperativ von Kant nachvollzogen werden: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde“. Vereinfacht gesagt: „Was du nicht willst, was man dir tut, das füg’ auch keinen anderen zu.“  Bezogen auf für die Mitarbeiterführung sagt der Satz von Kant: „Leite dein Team nur nach den Werten, von denen du möchtest, dass dein Team danach arbeitet“. 

Mit neuen Ideen voran

Es zeigt sich deutlich, dass sich die Anforderungen an das Personalmanagement stark wandeln. Von einer reinen hierarchischen Struktur zu einem dynamischen Netzwerk. Wie dieser Wandel in kleinen und mittelständischen Unternehmen vollzogen werden kann, erfahren und erleben Sie in der MIKOMI-Seminarreihe Mitarbeiterführung – Start am 20. Mai mit dem Seminar „Erfolgreiche Mitarbeiterführung heute“. In der eintägigen Veranstaltung werden Führungsstile und moderne Instrumente für die Mitarbeiterführung  vorgestellt und individuelle Möglichkeiten erarbeitet, dem Wertewandel zu begegnen.

Text: Christopher M. Brinkmann, Mitteldeutsche Journalistenschule
Foto: Michael Fielitz, Flickr.com