Forschungs- und Branchenschwerpunkte etablieren
Information | 29. März 2016

Das Thema Industrie 4.0 ist eine zentrale Herausforderung und Chance für den Industriestandort Deutschland. Sachsen kann und will sich hier mit seinen Forschungs- und Branchenschwerpunkten einbringen. Im Vordergrund könnten dabei die sächsischen Kompetenzen im Produktionsbereich und in der Mikroelektronik stehen. Am 23. März 2016 diskutierten Vertreter aus Wirtschaft, Forschung und Politik im Internationalen Congress Center Dresden, wie die Umsetzung für Sachsen aussehen könnte.

Sachsen habe nach Überzeugung von Ministerpräsident Stanislaw Tillich enormes Potenzial. Erklärtes Ziel der Staatsregierung sei es, das wichtige Thema Industrie 4.0 noch weiter voranzubringen und dabei zu helfen, die verschiedenen Akteure in Sachsen besser zu vernetzen. Die vom Freistaat organisierte Konferenz mit Spitzenvertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik soll dafür ein Baustein sein. Tillich rief dazu auf, das Angebot zu nutzen, voneinander zu lernen und sich auszutauschen.

Den Anschluss nicht verpassen

Auf dem Tagungsprogramm mit rund 400 Teilnehmern standen Vorträge, Gespräche und Workshops. Mit dabei waren neben dem sächsischen Ministerpräsident Stanislaw Tillich unter anderem Bundesforschungsministerin Johanna Wanka, der, der sächsische Wirtschaftsminister Martin Dulig, der Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften,  Henning Kagermann, der Präsident der Fraunhofer Gesellschaft, Reimund Neugebauer und Infineon-Vorstandschef Reinhard Ploss.

Der Ministerpräsident wies zum Auftakt der Konferenz darauf hin, dass Sachsen den Anschluss an Industrie 4.0 nicht verpassen darf. Europa habe für die Industrialisierung 200 Jahre benötigt, in China haben diese Prozesse nur reichlich 20 Jahre gedauert.

Er forderte auf, die Konferenz als Diskussionsplattform zu nutzen um herauszustellen, welche Herausforderungen und Chancen die Digitalisierung für Akteure in Sachsen bietet. Die Konferenz sei ein Startpunkt, um sich mit dem Thema Digitalisierung noch intensiver zu befassen.

Trends erkennen und angehen

Der Präsident der acatech, Deutsche Akademie der Technikwissenschaften Prof. Dr. Henning Kagermann stellte die Vision „smart, vernetzt, autonom“ an den Beginn, um die Trends, die auf Unternehmen in naher Zukunft zukommen und mit denen es sich die Wirtschaft auseinandersetzen sollte, zu beschreiben. Am Beispiel Adidas zeigte Kagermann, wie aus dem Produkt Sportschuh ein Adidas Service Portfolio entwickelt wurde. Smart Services und Leistungsbündel on demand waren weitere Ansätze, die vorgestellt wurden.

Prof. Dr. Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, verwies in seinem Beitrag auf Sollbruchstellen, die im Automobilbau mit der Elektromobilität bereits erreicht sind, dem mittelstandsgeprägten Maschinenbau aber noch bevor stünden. Die deutsche Industrie müsse auf der Hut sein, sie habe viel zu verlieren, so Neugebauer.

Themenspektrum

In den darauf folgenden Beiträgen wurde auf weitere wichtige Themen hingewiesen:

 

  • IT-Sicherheitslösungen
  • Systemisches Verständnis, Methoden und Algorithmen
  • Vernetzung der Wertschöpfungsketten
  • Rechtliche Fragen
  • Standardisierung und Regulierung

Chance für Deutschland

Im Podiumsgespräch riefen Prof. Dr. Johanna Wanka, Bundesministerien für Bildung und Forschung und Martin Dulig, Sächsischer Staatsminister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr dazu auf,  Industrie 4.0 ist als Chance für Deutschland zu verstehen. Der bereits erreichte Industrialisierungsgrad in Deutschland betrage 22 Prozent und sei als sehr gut zu bewerten. Im Vergleich der Automatisierungsgrade kommen in Deutschland auf 10.000 Industriearbeitsplätze 286 Roboter, in China hingegen nur 11. 

Industrie 4.0 sei eine gesellschaftliche Herausforderung, die neue Formen der Mitbestimmung hervorbringen wird. Die Ministerin gehe zudem von einem höheren Qualifizierungsbedarf im Zusammenhang mit Industrie 4.0 aus. Sachsen sei aber mit  seiner Wirtschaftsstrukturgrundsätzlich gut aufgestellt. Sachsen Wirtschaftsminister Dulig bemerkte, dass Sachsen ein Industrieland mit Wirtschaftswachstum ist, welches über dem Bundesdurchschnitt liege. Aus seiner Sicht müsse nun eine digitale Strategie entwickelt werden, um dies auch zukünftig zu sichern.

Sächsische Strategie

In vier Workshops diskutierten Vertreter aus Wissenschaft, Praxis und Institutionen mit den Teilnehmern und gaben Anregungen für eine sächsische Strategie zur digitalen Entwicklung. Im Ergebnis wurde deutlich, dass sich vor allem die vielen Klein- und Kleinstunternehmen in Sachsen mit der Thematik beschäftigen müssen. Abwarten sei der falsche Weg. Andererseits müssten mehr Aktivitäten erfolgen, um den KMU die Chancen aufzuzeigen. Auch die Fragestellung - Was verbessert sich für mich durch Industrie 4.0? sei zu erklären. Ein weiteres Themenfeld wird sein, welche neuen Geschäftsmodelle sich aus Industrie 4.0 ergeben können. Die Fortsetzung des Dialoges wird sich spannend gestalten und das Denken in neuen Netzwerken befördern.

Text: René Trommer
Fotos: Mikomi