Interview mit Dr. Lars Fritzsche
Information | 26. Mai 2016

Dr. Lars Fritzsche ist Fachbereichsleiter Ergonomie bei imk automotive GmbH. An der Technischen Universität Dresden promovierte er im Bereich Arbeits-/Organisationspsychologie und Arbeitswissenschaft. In Zusammenarbeit mit imk automotive hat MIKOMI das Zertifikat „Effiziente Fertigungsprozesse“ entwickelt. Lars Fritzsche spricht im Interview über die Hintergründe.

Warum ist eine Auseinandersetzung mit effizienten Fertigungsprozessen überhaupt nötig? Viele Unternehmen arbeiten doch schon am Kosten- und Optimierungslimit.
Aufgrund der anhaltenden Entwicklungen im Umfeld von Digitalisierung und Industrie 4.0 werden Fertigungsprozesse zunehmend komplexer und sind in einer möglichst frühen Planungsphase interdisziplinär auszulegen. Die zunehmenden Anforderungen drohen sonst das Kostenlimit zu sprengen. Als Führungskraft oder fachlich verantwortliche Person benötigt man geeignete Herangehensweisen, da Zielkonflikte sonst nicht sinnvoll gelöst werden können. Damit ist das entwickelte Weiterbildungsprogramm genau richtig für technisch orientierte Führungskräfte, Personen, die in die Industrie einsteigen oder auch um Mitarbeiter aus unterschiedlichen Bereichen auf einen Stand zu bringen. All diese Personengruppen in Fertigungsbranchen benötigen den interdisziplinären Blick auf die Fertigungsplanung.

Es werden also vor allem betriebliche Praktiker angesprochen. Was heißt das für die Inhalte des Programmes?
Uns geht es hier bewusst um ein breites Verständnis von Fertigungsprozessen. Um die Synergien und Potenziale möglichst effizient und nachhaltig zu nutzen, ist ein umfassendes Verständnis der Einflussgrößen und ihres Zusammenwirkens unabdingbar. Erst wenn ein einheitliches Verständnis des aktuellen Standes der Technik vorliegt, können Vor- und Nachteile berücksichtigt und damit Risiken im Planungsprozess und im späteren Betrieb vermieden werden. Industrie 4.0 beispielsweise ist ein umfassender Begriff. Die Teilnehmer sollen die Herausforderungen für das eigene Unternehmen verstehen, bewerten und einordnen können. Sie werden dadurch befähigt, sinnvolle Weiterentwicklungsmöglichkeiten für das eigene Unternehmen zu sondieren und die nächsten Umsetzungsschritte zu gehen.

Entscheidend ist, was unter dem Strich bleibt! Was kann für die tägliche Arbeit im Unternehmen mitgenommen werden? Was bringt die Weiterbildung?
Im Rahmen der Weiterbildung werden ein Gesamtbild über effiziente Fertigungsprozesse, die Einflussgrößen und deren Zusammenwirken hergestellt und die zugehörigen Umsetzungsstrategien vermittelt. Dazu gehört neben der Vermittlung von Wissen und Übung an praktischen Beispielen auch ein intensiver Erfahrungsaustausch mit den Dozenten und anderen Teilnehmern. Praktisch bedeutet das zum Beispiel eine gemeinsame Suche nach Optimierungspotenzialen, denn es werden die eigenen Fertigungsstrukturen der Teilnehmer, reflektiert. Wir rücken den Mensch in den Fokus und beleuchten Themen wie Mensch-Roboter-Kooperation. Wir schauen schlussendlich, wie vorhandenes Wissen besser in die Praxis integriert werden kann. Damit schließen wir den jetzigen Stand der Technik ein und gehen gleichzeitig der Frage nach, was neue Entwicklungen bedeuten und wie man ihnen begegnet.

Vielen Dank für das Interview.