Zukunftsperspektiven der Wirtschaft im Digitalisierungszeitalter
Fachforum IHK Chemnitz zu „Digitale Zukunft@Sachsen“, 28. Juli 2017

Um ehrlich zu sein, halte ich mich mit meinem Smartphone, zwei Laptops, zwei Tablets und einer Smart Watch für relativ digital. Aber so richtig bekomme ich die wirkliche Reichweite des Themas nicht zu greifen. Mit der Erwartung, etwas aussagekräftiger auf dem Gebiet zu werden, meldete ich mich zur IHK Veranstaltung „Digitale Zukunft@Sachsen“ an. Neben Firmenvertretern und Vertretern des Kompetenzzentrums war auch der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich als Begrüßungsredner geladen.

Ich hatte mich mit der Einlasszeit vertan und war neben den Organisatoren der erste Gast an der Kaffeetheke vorm Chemnitzer IHK Kammersaal. Dadurch hatte ich das Vergnügen, die nach und nach ankommenden Gäste zu beobachten und das ein oder andere Gespräch zu belauschen. Das Gehörte beruhigte mich einerseits persönlich, da ich mich mit meinem unsicheren Halbwissen im Bereich Digitalisierung in guter Gesellschaft wähne. Andererseits überlegte ich mir, dass das rein wirtschaftlich gesehen, alles ein erhebliches Entwicklungspotential hat. 

Diese Gedanken fanden auch gleich zu Beginn der Veranstaltung Bestätigung. Der Ministerpräsident scherzte über seine letzte Unterwegs-Telefonkonferenz „Nach der dritten Unterbrechung der Mobilfunkverbindung mit meinem internationalen Investor denkt dieser, dann geh ich doch lieber in die Mongolei als nach Sachsen.“ Ich denke, das ist sicher etwas überspitzt, aber etwas Wahres ist schon dran. Immerhin werden meine Telefonate auch regelmäßig an der Autobahnausfahrt Limbach-Oberfrohna unterbrochen. Es ist tatsächlich noch viel Infrastruktur zu schaffen, anderenfalls laufen die Bemühungen um Digitalisierung von Prozessen ins Leere.

Ich verdaute gerade noch die Erinnerungen vom Ministerpräsidenten an die Zeit, als Knight Rider und sein K.I.T.T. noch Utopie und Zukunftsmusik waren, als Jens Kieselstein das Wort ergriff. Der Geschäftsführer der Kieselstein GmbH (Mittelständler mit rund 50 Mitarbeitern) beeindruckte mich schon mit den ersten Sätzen über die praktische Umsetzung von Digitalisierung in seinem Unternehmen. Die Ausführungen zum digitalen Zwilling und der industrietauglichen Datenbrille sind verständlich und praxisnah. 

An meine Grenzen kam ich beim Impuls von EnviaTel – Internet der Energie. Ich schaute mich um und stellte fest, dass auch andere fragend in die Runde blickten. Wie schon so oft, kommt Google zu Hilfe. Dieses Mal in Form der Referentin Eva Ringk. Mit einem gewissen Understatement beschrieb sie, wie viele Menschen im Moment ihres Vortrags Fotos auf Instagram hochgeladen wurden, wie viele Stunden zeitgleich auf YouTube gestreamt wurden oder wie viele Suchanfragen Google erreichten. Auf eine elegante und unterschwellige Art erreichte jeden im Saal die Botschaft – „Digitalisierung ist unumgänglich“. An dieser Stelle verstand jeder, es ist noch viel an der strukturellen Basis zu tun, aber es gibt keinen Grund für Unternehmer zu warten. Es heißt: Starten!

Die danach folgende Podiumsdiskussion hätte es nicht unbedingt gebraucht, trotzdem wurde noch einmal ersichtlich, wo die Probleme in den Firmen liegen. Oft ist es eben nicht die technische Umsetzung oder die Ausstattung, nein, es sind die Mitarbeiter, die die Prozesse erschweren und sich regelrecht gegen die Digitalisierung wehren. 

Natürlich muss man dafür an die Grundausbildung heran, da waren sich alle einig, Digitalisierung beginnt schon in der Vorschule. Und da genügt es nicht, einen Karton voller „Tablets“ in eine Vorschulgruppe zu kippen – es bedarf auch der Kompetenzvermittlung – Medienkompetenz. Angesichts der aktuellen Debatte um Lehrkräftemangel in Sachsen eine Anforderung, die gleich weitere große Fragen aufwirft. 

Man hätte noch lange weiter diskutieren können, doch einigen Unternehmern knurrte der Magen. So verabschiedete Herr Wunderlich die Gäste in das Come-Together bei Schnittchen und Getränken mit den Worten: „Es gibt viel zu tun, das wissen wir. Sachsen ist aber gut aufgestellt und liegt bereits im guten Mittelfeld beim Thema Digitalisierung.“ 

Text: Claudia Gränitz-Kleiber 

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Gefördert vom Sächsischen Staatministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr.
Ein Projekt im Rahmen der Fachkräfteallianz Mittelsachsen.

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Als Knight Rider und K.I.T.T. noch Utopie waren