Fortsetzung: Möbel für Menschen - Menschen für Möbel
MIKOMI begleitet den Gründerweg des Start-up-Unternehmens etage8

Kirstin, Jonathan, Benjamin und Willi sind die Gründer und Köpfe des Leipziger Start-up-Unternehmens etage8. Als Preisträger des Gründerpreises "Start Up des Jahres 2017" absolvieren sie aktuell den in diesem Zusammenhang von MIKOMI gestifteten MBA. Wir begleiten die vier aber nicht nur bei ihrer Weiterbildung, sondern auch auf ihrem Gründerweg. Im ersten Teil des Interviews sprachen sie über Aufreger und ihre Helden und Heldinnen des Alltags. Lesen Sie hier im zweiten Teil unter anderem wieso soziales Engagement und Empathie ein wichtiger Bestandteil ihrer täglichen Arbeit sind.

Das Gespräch führte Beate Appel (BeA). Die kommentierenden Einschübe sind von Stefan Albrecht (StA). 

BeA: "Welche Lieblingsfarbe, welche Lieblingsform habt ihr?"

Jonathan: "Auf diese Frage habe ich das letzte Mal in der Grundschule in einem Poesiealbum geantwortet. Eine Farbe, die mich immer begleitet, ist Ultramarin". An Formen bevorzuge ich alles, was nicht rund ist."

StA: Beate Appel rutscht ein: „Ah-ja, na klar, der Fischer...“ raus. 

Kirstin: „Also, ich mag runde Sachen und meine Lieblingsfarbe wäre momentan Türkis“.

BeA: „Gibt es ein Thema, mit dem Ihr euch gerade besonders beschäftigt? Kann wissenschaftlich, politisch, kulturell, oder ganz anders gemeint sein.“

StA: Bei dieser Frage bekennen sich die etage8-ler wieder, ohne sich abzusprechen, völlig klar zu ihrer Mission und Vision. Und warum sie finden, dass Empathiefähigkeit so wichtig ist in unserer Gesellschaft...

etage8: „Wir beschäftigen uns mit dem sozialen Bereich, wie sagt man das, im Großen, also jetzt nicht nur mit dem demographischen Wandel und seinen Folgen, sondern auch ganz generell.  Und was wir in letzter Zeit in diesem sozialen Bereich beobachten, weil es schlichtweg auch damit zusammenhängt, ist Nachhaltigkeit, und zwar auf jeder Ebene. Auch und gerade in Bezug auf den schonenden Einsatz von Materialien und die Fähigkeit, eingefahrenes Konsumverhalten entscheidend zu verändern.“

Benjamin: „Was für mich dabei immer so mitschwingt, ist dass wir in allen Lagen fair miteinander umgehen müssen. Also, das wäre ein schönes Bild, dass man Menschen nicht verurteilt, sondern sie nimmt, für das, was sie sind. Und dass es fair zugeht. Auch das betrifft alle Ebenen – von Beziehung, Familie, zuhause und im großen Miteinander von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Ich beschäftige mich damit, wie alles irgendwie ein bisschen entspannter werden kann und nicht so viel „geschossen“ wird, wie es ja anscheinend in unserer heutigen Welt immer direkt erstmal der Fall zu sein scheint. Anstatt halt zu überlegen, ‚wie hätte ich es besser machen können’.

Kirstin: „Mich treibt der Wunsch an, ein bisschen mehr raus aus der Ellenbogengesellschaft zu kommen.“

Jonathan: „Michael Jordan hat mal gesagt: ‚Dreh’ negative Sachen immer in ihr positives -  turn negatives into Positives, always! Punkt.

BeA: „Klingt so simpel, ist es aber nicht. Wenn man sich wirklich vornimmt, das auch  durchzuhalten - geht das?“

Benjamin: „Das ist aber auch so eine Sache, das definiert uns als Designer auch, genau das ist unsere Aufgabe, die wir in uns sehen!“

 

BeA: „Ja?!“

Benjamin: „Es geht darum, Empathie zuzulassen und das auch professionell auszuüben! Es ist unsere Aufgabe (als Designer), sich in die Lage anderer hineinzudenken, sie zu verstehen und das dann zu übersetzen in das, was andere zur Verbesserung ihrer Situation beitragen können – so, wie unsere Möbel für ältere Menschen. Darin muss man sich üben. Empathie kann man nicht einfach so haben, das muss man jeden Tag üben und erst dann wird’s besser."

 

 

BeA: „Das ist schön! Kann man Empathie erlernen, ja?!“

Benjamin: „Es gibt dieses rätselhafte Gähnen-Experiment. Forscher der University of Connecticut haben da bewiesen, dass die Fähigkeit, sich vom Gähnen der anderen anstecken zu lassen, etwas über die eigene Empathiefähigkeit sagt. Sie haben dazu bei Kindern von ein bis sechs Jahren getestet, ob sie entsprechend reagieren, wenn ihnen die Versuchsleiter etwas vorgähnen. Dabei zeigte sich, dass die meisten Kinder erst ab einem Alter von vier Jahren mit-gähnten. Weil erst ab dann Kinder nämlich einen Entwicklungsstand erreicht haben, in dem sie bereits ein größeres Einfühlungsvermögen für die Psyche anderer Menschen besitzen - also empathiefähig sind."

StA: Jonathan gähnt, Beate kommentiert dies mit „Sehr empathisch!“ gefolgt von großem Gelächter allenhalben.

BeA: „Bevor wir alle in empathisches Mitgähnen verfallen – hier die (vorläufig) letzte Frage: Mit wem würdest ihr jeweils gerne einmal an der Hotelbar eine Nacht durch-trinken . Die Person kann echt, fiktiv, lebend oder tot sein...?

Jonathan: „Oh ähhh - Jonny Cash! “

Benjamin Hein: “Ja! Das ist einer der letzten, mit denen du sowas machen kannst. Es gibt ja viele andere Personalities, wie z.B im Fußball, Thomas Müller, was willst du denn dann da die ganze Nacht machen, Müller Milch trinken?! Wobei ich mich frage, wieso mir der bei der Frage zuerst eingefallen ist. “

Kirstin: „Dann vertrete ich mal jetzt die gestalterische Seite und würde mal sagen, Dieter Rams.“

StA: Dieter Rams (* 20. Mai 1932) ist ein deutscher Industriedesigner der Moderne. Ziel seiner Entwürfe ist die Klarheit der Form, Materialgerechtigkeit und einfache Bedienbarkeit. Bereits ab Mitte der 1970er Jahre begann Rams seine Ideen zum Design in Regeln zu verdichten, die er im Laufe der Jahre weiterentwickelte und zu Thesen ausformulierte. ...Zugleich sagt Rams, "gutes Design befinde sich in ständiger Weiterentwicklung - genau wie Technologie und Kultur.":

  • Gutes Design ist innovativ.
  • Gutes Design macht ein Produkt brauchbar.
  • Gutes Design ist ästhetisch.
  • Gutes Design macht ein Produkt verständlich.
  • Gutes Design ist unaufdringlich.
  • Gutes Design ist ehrlich.
  • Gutes Design ist langlebig.
  • Gutes Design ist konsequent bis ins letzte Detail.
  • Gutes Design ist umweltfreundlich.
  • Gutes Design ist so wenig Design wie möglich.

(Quelle: Wikipedia)

Beate Appel: „Aha, eine sehr schöne Mischung. Könnte eine lange Nacht werden. Vielen Dank für das wunderbare Gespräch.“

StA: Am Ende des Interviews bleibt uns nur zu sagen, dass die Leute von etageein humorvolles Team sind, die den Entschluss gefasst haben, die Welt mit ihrem Schaffen zu verbessern. Es ist schön, wenn aus Start Ups solche Unternehmungen entstehen, die nicht nur Gewinn erzielen möchten, sondern ihren eigenen Plan von Weltverbesserung mit Konsequenz durchziehen. Wir sind gespannt, wohin die Reise bei etage8 weiter geht und sind froh, sie in unserem Netzwerk bei MIKOMI begrüßen zu dürfen.

Redaktion: Beate Appel und Stefan Albrecht
Foto: Steve Feige