Wie man eine Karibikauszeit mit Arbeitszeit bezahlen kann
Vortrag „Flexible Arbeitszeitmodelle zur Erhöhung der Arbeitgeberattraktivität“ von Dr. Andrea Benkendorff bei der IHK- Veranstaltung „Themen im Dialog“ | 09. Mai 2017

Jeden Abend verabschiedet sich die Hälfte Ihres Kapitals. Stellen Sie sicher, dass es morgens motiviert wiederkommt! Um dies zu erreichen, sollten Arbeitgeber den Mitarbeitern mehr als nur ein gutes Gehalt bieten können. Mitarbeiterbindung funktioniert heutzutage vor allem durch Work-Life-Balance, rät Dr. Andrea Berkendorff von der Anwaltskanzlei Battke Grünberg. Hier lesen Sie drei weitere innovative Ansätze aus ihrem Vortrag:

Zeit ist Geld und noch viel mehr

Als Grundlage für eine gute Work-Life-Balance sollten Arbeitgeber Arbeitszeitkonten einführen. Das ist zwar an sich noch nichts Neues, aber Arbeitszeitkonten eröffnen teils ungeahnte Möglichkeiten für die Mitarbeiter. Worauf man jedoch bei der Anwendung achten sollte, ist das Einhalten eines sogenannten Ampelmodells. In der Grünphase können die Mitarbeiter Plus- und Minusstunden bis zu einer bestimmten Anzahl aufbauen. In der Gelbphase wird eine Zustimmung des Vorgesetzten benötigt, wenn weitere Stunden angesammelt werden sollen. Und wenn die Stunden eine gewisse Anzahl überschreiten, muss der Mitarbeiter diese abbauen oder sie verfallen. Dies wäre die Rotphase. Wem das nicht genug ist, der kann auch auf ein Langzeitkonto umsteigen. Hier werden alle Leistungen angesammelt, die über ein Jahr hinausgehen. So kann z.B. der Renteneintritt vorverlegt werden oder es geht eben einfach mal für zwei Monate in die Karibik, weil die Plus-Stunden dies zulassen.

Arbeitsbedarf besser anpassen

Ein anderes Instrument ist die kapazitätsorientierte flexible bzw. variable Arbeitszeit – oder kurz KAPOFAZ bzw. KAPOVAZ. Am einfachsten erklären kann man dieses Modell mit „Arbeit auf Abruf“. Hierbei hat der Mitarbeiter einen Teilzeitvertrag, mit der Verpflichtung, auch mal mehr zu arbeiten, falls dies nötig ist.

Der Arbeitgeber hat so bei betrieblichen Engpässen auf schnelle und einfache Weise eine weitere Arbeitskraft zur Verfügung – und das ohne großen bürokratischen Aufwand, da eine Vertragsänderung oder -anpassung nicht nötig ist. Die Stundenanzahl darf hierbei jedoch nicht mehr als 25% der im Vertrag festgeschriebenen Arbeitszeit betragen. Die Bezahlung variiert je nach geleisteter Arbeitszeit.

Autonomie für Mitarbeiter

Noch ziemlich neu und weniger verbreitet sind hingegen die zeitautonomen Gruppen. Die Mitarbeiter organisieren sich und die zu erledigenden Aufgaben dabei selbstständig. Vom Arbeitgeber kommen lediglich die Vorgaben darüber, was zu erledigen ist und in welchen Zeiten der Betrieb besetzt sein sollte. Die Mitarbeiter werden damit sozusagen selbst zum Chef, da sie komplett frei über ihre Arbeit verfügen können. Arbeitgeber beweisen mit dieser Methode großes Vertrauen in ihre Belegschaft und der Erfolg gibt ihnen Recht.

Es gibt noch viel mehr

Die hier aufgeführten Varianten für flexible Arbeitszeitmodelle bilden natürlich nur einen kleinen Teil der Instrumente ab. Dr. Berkendorff erläuterte in ihrem Vortrag noch viele weitere interessante Möglichkeiten zum Thema. Eine intensive Auseinandersetzung zu diesen und anderen Verfahren kann sich durchaus auszahlen, um die Arbeitgeberattraktivität zu steigern und Mitarbeiter somit langfristig an das Unternehmen zu binden.

Text: MIKOMI
Foto: Pixabay