Blockchain für Mittelsachsen und Fachkräftesicherung
Beitrag zum Innovationsforum | 25. Juni 2018

Cryptowährung, CryptoValley, Zukunftstechnologie in und aus Mittweida? Vielleicht muss ein gewisses Maß an gesunder Skepsis sein, die man neuen Technologien entgegenbringt. Kritisch zu hinterfragen und gleichzeitig Chancen für die Zukunft zu sehen und daraus Entwicklungspotenziale abzuleiten, ist der wahrscheinlich bessere Weg. Was verbirgt sich hinter dem Begriff Blockchain und welche Wirkungsfähigkeit steckt für den Wirtschaftsraum Mittelsachsen drin – dieser Frage ging das erste Innovationsforum am 25. Juni 2018 in Mittweida nach, welches gemeinschaftlich von der Stadt Mittweida, dem BCCM – Blockchain Competence Center Mittweida an der Hochschule Mittweida und der Volksbank Mittweida eG ausgerichtet wurde. Denn Mittweida hat sich viel vorgenommen und will innovative Schaufensterregion und Vorreiter auf dem Gebiet der Blockchain-Technologie werden.

Noch sind viele skeptisch und fragen sich, was man mit Blockchain überhaupt anfangen kann, wozu es dient, wie es geht und ob diese Technologie wirklich mehr als nur ein Hype ist. Doch Mittweidas Stadtverwaltung ist sich sicher: „Mit Blockchain ist es möglich, ähnlich wie beim Internet, ein Zeichen zu setzen, das nicht nur die Region, sondern die Welt verändert. Es wird uns die Chance bieten, eine Art Silicon Valley zu etablieren. Das wollen wir. Wir wollen besprechen, wie wir vorangehen können und welche Chancen und Möglichkeiten Blockchain bietet. Wir werden viel dazu lernen und gemeinsam Ideen entwickeln“, so Holger Müller, Beigeordneter des Oberbürgermeisters, auf dem Blockchain Innovationsforum an der Hochschule Mittweida. Aktuell starten unterschiedliche Akteure gemeinsam auf den Weg zur Blockchain-Schaufensterregion. Neben dem Antragskonsortium, bestehend aus der Stadt Mittweida, der Hochschule Mittweida und der Volksbank Mittweida eG, sind es Forschungseinrichtungen, Unternehmen und Verwaltungen aus dem Landkreis Mittelsachsen, die hier Ideen und Umsetzungsmöglichkeiten im Rahmen des Programms „WIR! – Wandel durch Innovation in der Region“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung diskutieren und auf den Weg bringen wollen. 

Für Prof. Dr. Andreas Ittner vom BCCM – Blockchain Competence Center Mittweida steht fest, dass hinter der Blockchain-Technologie ungeahntes Potenzial steckt und er weiß: „Die Blockchain Schaufensterregion Mittweida ist ein hohes Ziel. Aber Blockchain ist mehr als die reine digitale Währung. Die Blockchain-Technologie ermöglicht das Internet für digitale Werte und Güter. Vergleichen wir den Status mit der Entwicklung des Internets, so sind wir bei Blockchain hier erst am Anfang, was sich an Möglichkeiten andeutet. Bitcoin als Cryptowährung war und ist hier nur ein Projekt.“ Spätestens seit dem Jahr 2017, als der Bitcoin quasi die Welt eroberte, ist die Blockchain-Technologie in der Öffentlichkeit bekannt. Darin stecke Potenzial für strukturelle Veränderungen ganzer Wirtschaftszweige, wie Bankwesen, Logistikbranche, Energiewirtschaft oder auch in der Industrie in Verbindung mit Robotik, so Ittner.

Bei einer Blockchain handelt es sich vereinfacht gesagt um eine verteilte Datenbank. Aufkommende Transaktionen, die den Inhalt der Datenbank verändern, werden dabei in einzelnen Blöcken zusammengefasst. Für jeden Block wird eine eindeutige Prüfsumme, ein sogenannter Hashwert, berechnet. Zur Berechnung des Hashwerts eines neuen Blocks wird der Hashwert des vorherigen Blocks benötigt. Der Hashwert des vorherigen Blocks ist daher ein essentieller Bestandteil des darauffolgenden Blocks. Auf diese Weise werden die einzelnen Blöcke in chronologischer Reihenfolge miteinander verkettet. Diese fest zusammenhängende Blockkette wird auf einer Vielzahl von auf der ganzen Welt verteilten Rechnern parallel gespeichert. Durch die hohe Anzahl an identischen Kopien, die es von der gesamten Blockchain gibt, ist es nahezu unmöglich dieses verteilte System zu manipulieren. Einmal durchgeführte Transaktionen können von niemandem nachträglich gelöscht werden. Fehlerhafte Transaktionen können lediglich über eine Korrekturbuchung aufgehoben werden. Es ist zudem nicht möglich im Nachgang von außen zusätzliche Token in das System einzuschleusen. Nach heutigem Kenntnisstand gelten Blockchains daher als fälschungs- und manipulationssichere Zahlungssysteme. Zudem sind alle Transaktionen öffentlich einsehbar und können von jedermann nachvollzogen werden. In der Regel ist die Gesamtmenge von Token bzw. Coins, die innerhalb einer Blockchain für Zahlungen genutzt werden, von vornherein festgelegt und kann nachträglich nicht mehr verändert werden. In diesem Punkt unterscheiden sich Kryptowährungen wie Bitcoin grundlegend von den klassischen Fiatwährungen.

Blockchain hat drei wesentliche Säulen. Zum einen ist es die Mathematik im Sinne von Kryptografie und Verschlüsselungsmethoden. Die zweite Säule ist, dass die Information bzw. die Daten der Blockchain in einem verteilten Netzwerk, in so genannten Peer-to-Peer-Netzwerken, gespeichert werden. Das heißt, es gibt hier eine große Rechneranzahl, die die Daten redundant halten. Defekte Rechner, ausgefallene Rechner oder gehackte Rechner sind damit kein Problem, da alle Informationen mehrfach vorhanden sind und immer wieder miteinander verglichen werden. Die dritte Säule ist die Validierung bzw. Versieglung von Transaktionsblöcken durch das Lösen von Hash-Puzzeln. Die technische Absicherung erfolgt hier über so genannte Proof-of-Work oder Proof-of-Stake, die die jeweiligen Transaktionen als echt oder unecht klassifizieren.

„Heute fällt es uns sicher schwer, an diese Entwicklungen und das damit verbundene Potenzial zu glauben. Aber das war auch schon zu Zeiten von Microsoft so, auch da hat man lange geglaubt, dies sei für immer der alleinige Anbieter“, so Ittner. Das Internet heute ist eigentlich eine riesige Kopiermaschine. Für Nachrichten und Fotos sei das kein Problem. Doch für Währungen, digitale Werte und Güter braucht es die Originale, die weitergereicht werden. Blockchain ermögliche die Weitergabe von digitalen Originalen. Und daraus ergeben sich viele Anwendungsmöglichkeiten, auch oder gerade für die Region Mittelsachsen, die abseits von Währungstransaktionen seien. Ittner denkt dabei an Blockchainregister im Form von Eigentumstiteln, Schuldscheinen oder Anteilsscheinen bis hin zu digitalen Identitäten. Auch die Transaktionen digitalisierter Werte und Güter, also Geld, Anteile, Lizenzen, Rabatte, Wertmarken, Pfand, Optionen und Arbeitsleistungen, ließen sich mit Blockchain verarbeiten. Für die Industrie und das Handwerk bieten Blockchain-Automatisierungen, wie Smart Contracts oder Transaktionen und Verträge breite Anwendungsmöglichkeiten. Hier können Handlungsabläufe bzw. Workflows sicher und verbindlich abgebildet werden.

Jetzt sei vor allem Kreativität und Offenheit gefragt. Auch müsse man um die Ecke denken und bei der Entwicklung von Blockchain-Anwendungen hinterfragen, welche Mehrwerte Institutionen und Unternehmen durch diese Technologie für ihre Kunden zur Verfügung stellen können. Prof. Dr. Alexander Knauer forscht hierzu im Bereich Geschäftsmodellentwicklung am Blockchain BCCM – Blockchain Competence Center Mittweida und sagt: „Man muss sich bewusst sein, dass Blockchain-Ideen nicht in festgesetzten Geschäftsprozessen enden. Für den Erfolg eines Blockchain-Geschäftsmodells müssen Kundengespräche geführt werden, wo liegen Probleme wo müssen Lösungen her?“ Knauer sagt, dies sei auch die Grundlage für den Erfolg der Schaufensterregion. Man müsse konkrete Anwendungsfälle finden, die sowohl einen Mehrwert für das jeweilige Unternehmen aber auch für die jeweiligen Kunden des Unternehmens haben. Arbeitsplätze sieht er dabei nicht in Gefahr, ganz im Gegenteil. Man müsse Blockchain als Transformations- und Digitalisierungsprozess verstehen, bei dem auch die Mitarbeiter einen zentralen Platz einnehmen und mitgenommen werden müssen. „Es muss aufgezeigt werden, wo die Blockchain einen Mehrwert für jeden einzelnen Arbeitsplatz schaffen kann. Denn mit der Blockchain-Technologie können völlig neue Geschäftsmodelle entstehen. Es bietet sich die einmalige Chance neue Märkte weltweit zu erschließen und aktiv an der Digitalisierung teilzunehmen“, so Knauer. In der Region Mittweida will man genau diese Chance nutzen und die Region durch einen Wandel durch Innovation für die Zukunft aufstellen. 

Audiopodcast zum Thema

Im Interview mit Prof. Dr. Andreas Ittner, Prof. Dr. Alexander Klauer und Dr. Markus Büch.

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Blockchain in Mittelsachsen

Eine Initiative der Fachkräfteallianz im Landkreis Mittelsachsen. 

Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes.