"Ich hab mein Lebtag mit jungen Leuten zusammen gearbeitet und finde das sehr erfrischend."
Christa Müller über ihr Engagement im Arbeitskreis „Schule-Wirtschaft“ und in Mittelsachsen

Christa Müller (CM), Prokuristin der Pietsch Haustechnik in Ostrau, setzt sich schon seit vielen Jahren für die Berufsorientierung von Jugendlichen und Fachkräftesicherung im ländlichen Raum ein. Sie ist die Leiterin des Arbeitskreises Schule-Wirtschaft und hat im Zuge dessen 2014 maßgeblich mitgeholfen diesen neu zu beleben. Sie war an der Entwicklung der Ausbildungsmesse "Schule macht Betrieb" maßgeblich beteiligt. Zudem hat sie die sogenannte Berufsrallye in Ostrau auf die Beine gestellt, bei der Schüler die Chance haben an einem Tag aus einer Auswahl von mehr als einem Dutzend Firmen jeweils drei von innen kennenzulernen. Im Interview spricht Sie über Ihre Motivation, Mission und Vision.

LS: Frau Müller, Sie sind seit vielen Jahren Mitglied im Arbeitskreis Schule-Wirtschaft. Wie sind Sie dazu gekommen?

CM: Das war eigentlich ganz einfach. Ich bin bei uns in der Firma schon immer fürs Ausbildungsmarketing zuständig und war auch schon in dem Arbeitskreis tätig. Wir haben uns einfach wieder gefunden und gesagt "Wir müssten wieder was tun". Und dann ging es los.

LS: Welche Erfahrungen haben Sie durch Ihre Arbeit dort gemacht?

CM: Also die Erfahrung, die ich gemacht hab, ist die, dass viel Arbeit vor uns stand. Wir haben erstmal alle Schulen wieder an einen Tisch geholt, danach die Unternehmen und das war sehr spannend. Weil wenn Schulen und Unternehmen das erste Mal an einem Tisch sitzen, da gehen natürlich auch viele Emotionen hin und her. Aber das war ja genau das, was wir wollten.

Schule und Wirtschaft sollten näher zusammen rücken. 

Wir wollten, dass Schule und Wirtschaft näher zusammen rücken. Und da gehört es als erstes dazu, dass man Verständnis füreinander hat - für die Probleme, die da immer wieder im Raum stehen. Und nur so konnten wir jetzt nun inzwischen sehr nah zusammen rücken.

LS: Welche Probleme sind denn da aufgetreten? Wo ist der Problemkreis in der Zusammenarbeit mit Schulen und den Unternehmen in der Region?

CM: Also die Schulen waren ja der Meinung: "Die Unternehmen müssen das auf die Reihe kriegen und die müssen auch was bieten, damit die Schüler in die Unternehmen kommen." Und die Unternehmen haben gesagt: "Ja, bringt uns erstmal gut gebildete Schüler bei dem Bildungssystem, was wir haben. Und wenn die Schüler nix bringen, was sollen wir mit denen als Auszubildende anfangen?"

LS: Wie ist das ausgegangen? Welche Erfahrungen sind denn in den letzten Jahren gesammelt wurden?

CM: Inzwischen ist es so, dass wir uns regelmäßig treffen. Inzwischen sind natürlich alle Schulen und viele Unternehmen immer im Gespräch. Wir haben in dem gesamten Feld Berufsorientierung einiges auf die Beine gestellt und die Wahrheit ist ja immer in der Mitte. Und so hat man sich jetzt sehr gut zusammen gerauft. Aus diesem Grund ist ja auch die Messe "Schule macht Betrieb" sehr erfolgreich. Denn dort kann ein reger Austausch erfolgen mit den Unternehmen und den Schulen und den Schülern und den Eltern. Das ist einfach gigantisch, muss ich sagen.

Die Messe "Schule macht Betrieb" ist sehr erfolgreich.

LS: Sie sagten einmal "Man muss den Jugendlichen zeigen, dass sie in ihrer Heimat gute Betriebe finden und Karriere machen können." Was denken Sie, wie man die Region und die Unternehmen hier für die Jugendlichen attraktiver präsentieren kann?

Ich bin hier auch groß geworden in Mittelsachsen, hab meine Kindheit hier verbracht, hab die Wende miterlebt und hab alles miterlebt. Für mich ist das sehr bedrückend, wenn ich manchmal die Altersdurchschnitte von einigen kleineren Städten höre. Und ich möchte, wenn ich mal im Altersruhestand bin, nicht unbedingt nur von alten Leuten umgeben sein, sondern ich hab mein Lebtag mit jungen Leuten zusammen gearbeitet und finde das sehr erfrischend.

Die Jugend ist die Zukunft der Region.

Ich glaube, dass das die Zukunft unserer Region ist. Wir müssen hier wieder dazu kommen, dass wir zeigen, dass wir eine attraktive Region sind, dass wir viele schöne Sachen zu bieten haben und dass auch die Kinder, die hier geboren werden, es teilweise auch wieder in die Heimat zieht. Die sollen auch hier wieder ihre Möglichkeit haben und inzwischen gibt es so viele Firmen, die natürlich auch gute Karrieremöglichkeiten bieten und wo jeder junge Mensch auch seine Lebensplanung aufbauen kann.

LS: Der "Nachwuchs" ist nur ein Baustein im Bereich Fachkräftesicherung. Sie sind als Prokuristin eines mittelständischen Unternehmens für zahlreiche MitarbeiterInnen verantwortlich. Wie sorgen Sie dafür Mitarbeiter zu finden, zu binden und weiter zu entwickeln?

CM: Wir sind ein Unternehmen der Unternehmensgruppe Pietsch und haben uns natürlich auch auf die veränderten Situationen eingestellt. Wir arbeiten jetzt zurzeit sehr intensiv an der lebensphasenorientierten Personalpolitik. Also das heißt wir haben in dem Bereich viel zu bieten, wir führen mit unseren Mitarbeitern Jahresgespräche durch. Unsere Mitarbeiter sollen auf ihren Plätzen auch weitergebildet werden.

Wir fragen auch unsere Mitarbeiter, wie ihre Meinung zu bestimmten Themen ist und wir begleiten sie auch durch viele Hürden des Alltags, zum Beispiel bin ich jetzt gerade dran die erste Informationsveranstaltung für Mitarbeiter zu organisieren zum Thema Pflege. Damit die Mitarbeiter Ansprechpartner bekommen, wo sie Hilfe kriegen, auch im privaten Bereich. Und ich glaube, das ist sehr wichtig durch die vielen Einflüsse, die auf jeden Menschen einwirken. Die meisten Mitarbeiter nehmen das auch dankbar an.

Im Ländlichen Raum muss man als Unternehmen einiges tun.

LS: Ist das eine besondere Herausforderung, wenn man als Unternehmen seinen Sitz im ländlichen Raum hat?

CM: Ja und Nein. Wir sind hier im ländlichen Raum und da muss man schon einiges tun, weil junge Leute müssen z.B. ja auch verkehrstechnisch hierher kommen können. Das ist auch manchmal problematisch für Auszubildende. Das will ich gar nicht verhehlen. Da müsste natürlich noch einiges passieren, damit auch die Kosten für die öffentlichen Verkehrsmittel u.ä. in einem passenden Rahmen sind. Wir haben auch Niederlassungen in Großstädten, also z.B. Dresden, Leipzig, Chemnitz. Da gibt es wieder andere Probleme, da locken die jungen Mitarbeiter wieder andere Sachen. Also, es gibt im ländlichen Raum die Probleme und in größeren Städten gibt es wieder andere Probleme. Aber natürlich, wenn der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin eine gute Bindung zum Unternehmen hat, wird sich jeder genau überlegen, ob er wechseln muss oder doch lieber bei dem Unternehmen bleibt, wo er sich wohl fühlt.

LS: In Ihrer Unternehmensgruppe ist auch ein Motto für die Fachkräftesicherung "Wachstum von innen heraus". Das heißt, Sie setzen schon darauf, dass die Menschen, die in Ihrem Unternehmen beschäftigt sind, letztlich auch hier bleiben?

Ja, darauf setzen wir schon seit vielen Jahren. Wir haben auch schon fleißig in den Jahren ausgebildet, als es noch weniger Bedarf gab und das kommt uns heute zugute. Wir haben in unserem Unternehmen viele Mitarbeiter, die auch mal bei uns gelernt haben, sich auch weiterqualifiziert haben und mittlerweile zum Teil auch eine Teamleitung oder Abteilungsleitung ausführen. Wir sind damit die ganzen Jahre auch immer wieder gut gefahren und deswegen auch mein Engagement im Auszubildenden-Marketing. Also wir arbeiten eng mit Schulen zusammen und wollen das auch weiter führen. Es wird in der gesamten Unternehmensgruppe sehr forciert, damit wir immer wieder gute Nachwuchskräfte finden. Ich kann das nur jedem empfehlen, da auch einiges zu tun, weil diese Vorarbeit, die man leistet, die kommt zurück mit jungen Leuten, die gerne zur Arbeit gehen.

Ich wünsche mir, dass Mittelsachsen aufblüht.

LS: Was wünschen Sie sich aus unternehmerischer Sicht, damit die Zukunft gesichert ist?

Ich wünsche mir eigentlich, dass Mittelsachsen wieder etwas mehr aufblüht und dass auch die einzelnen Regionen für sich wieder so dargestellt werden, wie es traditionell eigentlich ist und das viele junge Leute auch wieder sagen "Dort möchte ich leben." Zumal der große Vorteil ja auch die Nähe zu den größeren Städten ist und im ländlichen Raum natürlich die Natur, die wir um uns herum haben. Und wir haben inzwischen viele gute Unternehmen, die auch für die gesamte Lebensplanung eine gute Basis bilden können.

Ich bin gerne hier Zuhause.

LS: Sie sind gerne hier Zuhause?

Ich bin gerne hier Zuhause. Und ich möchte mich da auch immer wieder gerne einbringen, wenn es darum geht, dass man wirklich junge Leute hier hält. Sie merken es sicher, das ist für mich so eine Herzenssache, weil das für mich einfach Lebenselixier für die Region ist.

 

Interview: Lutz Schäfer (LS)
Redaktion: Lutz Schäfer, Christin Sperling
Produktion: Lutz Schäfer

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Christa Müller über ihr Engagement in Mittelsachsen

Eine Initiative der Fachkräfteallianz im Landkreis Mittelsachsen. 

Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes.