Wir begleiten Kirstin, Benjamin, Jonathan und Willi von etage8 aus Leipzig, unsere 'Start Up des Jahres 2017' Preisträger und dokumentieren ihren Alltag zwischen Start Up, Design, Leben und Lernen (Letzteres am MIKOMI).

Von Durchhaltevermögen und typisch Deutsch.
Veränderungen sind positiv.

Im Teil Abenteuer Existenzgründung sprach Ben über die Entscheidung teilweise getrennte Wege zu gehen und von Herzen Gestalter zu sein und zu bleiben. Das heißt nicht, dass es mit der Möbelmarke Mormor und etage8 nicht weiter geht. Ganz im Gegenteil. 

Das Gespräch führte Beate Appel (BA), die Einschübe sind von Lutz Schäfer (LS).

BA: Ihr steckt in dem Dilemma, in dem alle Gründer stecken, dass Ressourcen knapp sind und Zeit begrenzt ist. Und in dem Dilemma, dass man harte Entscheidungen treffen muss und sie manchmal auch zu spät trifft.

Ben: Eine Entscheidung zu treffen, ist immer schwer. Gerade für uns als Gestalter, die sehr doll abwägen und immer schauen, ist nicht auch das noch möglich, können wir nicht nochmal hier ... Da ist so eine einschneidende Entscheidung der größte Schritt. 

Letzen Endes tut es aber allen gut. Nicht nur dem Unternehmen, sondern auch uns als private Personen, weil wir uns dadurch wieder mehreren Sachen öffnen können und uns dahin bewegen, was wir eigentlich tun wollen. 

LS: Die Jungunternehmer hatten festgestellt, dass sie Vertrieb und Markteing benötigen. Das bedeutet etage8 muss strukturelle Veränderungen angehen. Ben und Willi bleiben in Leipzig, kümmern sich um den Vertrieb. Jonathan und Kirstin wollen sich als Gestalter weiter entwickeln.

BA: Wir haben vorhin drüber gesprochen, dass man manchmal Entscheidungen rauszögert und dass vor drei Monaten noch keiner hätte sagen können, was der richtige Weg sein wird. Wieso konntet ihr damals noch nicht sehen, was sich jetzt als richtig herausstellt?

Ben: So richtig weiß ich es ja auch noch nicht. Für mich als Gründer ist es ein Abenteuer und ein Reiz diesen Weg zu beschreiten und nicht immer zu wissen, was in drei Monaten passiert, das ist eigentlich das Spannendste. [...] Nun weiß ich, dass unsere Entscheidung richtig war und das Ziel für die nächsten drei Monate bildet. So funktioniert das bei uns seit drei Jahren. [...] und es zeigt uns, dass wir [immer wieder] Entscheidungen treffen müssen. Und auch Wege gehen müssen, die vor drei Monaten noch nicht sichtbar waren.

BA: Gibt es längerfristige Orientierungen für Euch? ... Eine Vision, einen Fixstern, der immer wieder Kraft und Mut gibt?

Ben: Es gibt natürlich einen Fixstern und eine Vision. [...] Die Vision ist die Möbelmarke. Dass wir es bis hierher geschafft haben: Ein Logo haben, eine eingetragene Marke haben, dass wir Produkte mit einer bestehenden Produktionskette haben und wir Möbel ausliefern können – fertige Möbel. Das ist ... eine dieser Visionen gewesen. Wo jetzt die nächste Vision hingeht, das ist Tatsache für uns ein Blick in die Glaskugel. Von daher echt schwer greifbar. 

LS: Das klingt erst einmal ernüchternd. Aber im Grunde wissen Ben, Jonathan, Kirstin und Willi schon sehr genau was sie brauchen. Hart aber wahr - Designer sind gerade nicht gefragt. Die Möbel müssen in den Markt!

 

 

BA: Was ist jetzt in etage8 an Kompetenz gefragt und was ist nicht gefragt? 

Ben: Was wir als wirtschaftliches Unternehmen zur Zeit nicht benötigen, ist ein großer Pool an Gestaltern. Was wir aber intensiv benötigen, ist Vertrieb. Wir brauchen Menschen, die es möglich machen, die Leute anzugehen, die unsere Möbel kaufen wollen. Und das so professionell, dass es auch nachhaltig sinnvoll ist und daraus ein Resultat entsteht. 

LS: Doch der Vertrieb in Deutschland ist nicht einfach. Bens Formulierung: Der Markt in Deutschland sei eingestaubt und innovationsträge und es sei ein langer Weg zur Produktakzeptanz!

BA: Was, denkt ihr, bringt den Durchbruch für MORMOR (Möbelmarke), was braucht es jetzt, damit es richtig ’rappelt im Karton’? 

Ben: Mormor braucht Durchhaltevermögen. 

LS: Zur Erinnerung: etage8 designt Möbel, die es Menschen mit eingeschränktem Bewegungsapparat durch bestimmte Haltevorrichtungen und Sitzkomfort ermöglichen freier und selbstbestimmter ihren Alltag zu meistern. Zudem trifft Funktionalität auf Design.

BA: Ist diese Innovationsträgheit und die schwer zu erreichende Akzeptanz für eure Produkte typisch deutsch?

Ben: Ganz klar ‒ Ja. Das ist auf jeden Fall deutsch. Eine schöne Geschichte fällt mir dazu ein. Wir sind mit dem Chefarzt einer Geriatrie durch das Klinikum gegangen, er hat sich sofort vorgestellt, wo unsere Möbel überall Platz finden. Letzen Endes hat die Controllerin bei uns angerufen und gesagt: Hey, könnt ihr mal ein Muster schicken. 

LS: Ben lacht bei dieser Aussage... Vielleicht denkt er da auch an seine Erfahrungen aus der Chinareise, wo alles anders sei.

Diese Vorsicht (im Markt), die müssen wir jetzt überstehen. 

BA: War deine Wahrnehmung in China anders?

Ben: In China läuft Business komplett anders. Da basiert alles auf persönlicher Ebene. Das allerwichtigste ist, dass man sich versteht und wenn man sich versteht, will der Chinese immer das Beste für den Anderen. Das ist auch eine Mentalität, die ich als Gestalter mitgenommen habe... wo ich auch denke, wenn denn irgendwann mal der große Schritt gegangen werden soll, dass man das gerne mit China machen kann...

 

Abenteuer Existenzgründung.
Entscheidungen treffen ist immer schwer.

Ben gibt im Interview tiefe und ehrliche Einblicke in das Gründerleben: Über schwere Entscheidungen, neue Chancen, erreichte Visionen, den Blick in die Glaskugel und deutsche Vorsicht. 

Kirstin und Candy.
Liebesperlen, Lakritz & Co. Wie aus Lust auf Süßes Designmöbel von Candy Company werden.

Wer erinnert sich noch die Liebesperlenketten vom Rummelplatz oder der Kirmes – mit Zuckerperlen in milchig bunten Farben? Da stecken Nostalgie, ein bisschen Romantik und schöne Kindheitserinnerungen drin. Das sind auch beste Zutaten für ein neues Designprodukt. Kirstin ist Möbeldesignerin und sie liebt Süßigkeiten, auch Lakritz. So hat sie aus zwei Leidenschaften etwas Neues kreiert: Candy Company. So funktioniert Innovation und Entwicklung.

Business ist, das Beste für den anderen zu wollen.
Ben goes China. Mit dem Ministerpräsidenten, IHK und sächsischer Wirtschaft auf Delegationsreise durch China.

‚Hebt man den Blick, so sieht man keine Grenzen mehr’. Ben ist sehr nachdenklich aus China zurückgekommen und fragt sich, ob totale Digitalisierung auch zugleich totale Überwachung bedeutet. Er sagt, ‚entweder man geht das schnelle Entwicklungstempo mit, oder man bleibt auf der Strecke’. 

Jonathan@MIKOMI
Voll dabei. Stärken. Schwächen. Jonathan Geffen analysiert mit Alexander Zeitelhack im Vertriebsseminar bei MIKOMI die Produktpromotion von etage8 aus Käufersichtsicht.

Kirstin@MIKOMI
Ankommen. Warm werden. Eintauchen. Kirstin Overbeck spricht über ihre erste Präsenzveranstaltung bei MIKOMI. Bei Kirstin dreht sich im Seminar alles um Marketing.