"Wer als Unternehmen einen Dialog führen möchte, muss in den sozialen Medien sein."
Mit Social Media den Kunden an die eigene Marke binden.

Frederic Rapin und Moritz Andresen sind die Gründer der Online-Marketing-Agentur "DigitalCenturyBerlin" (DCBerlin). Sie unterstützen Unternehmen bei Sichtbarkeit, Strategie und Vermarktung, um eine optimale Präsenz im Internet zu gewährleisten.

BA: Wir sprechen ja jetzt von „Digital Marketing“ und nicht mehr von Online-Marketing, Social Media Marketing steckt da irgendwie mit drin. Meiner Meinung nach ist das Online-Marketing so ein bisschen „oldschoolig“, typisch deutsch und international hat man sich auf Digital Marketing geeinigt. Wie seht ihr das?

Moritz: Das trifft es im Prinzip ganz gut. Wir erleben auch so ein bisschen als Agentur, dass der Wandel dahin geht sich als Digital Marketing Agentur zu bezeichnen und dahin gehen wir gerade auch. Und das ist das, was branchenübergreifend gerade passiert durch diese Stichworte, die aus dem englisch-sprachigen Bereich rüber gewandert sind: Digital Change, Digital Transformation. Wo das Digital natürlich nicht nur das Marketing umfasst, sondern noch viel mehr auch die Geschäftsmodelle, die dahinter stehen. Auch die interne Kommunikation des Unternehmens nach außen. Um das besser fassen zu können, ist man glaub ich auf diesen Begriff dann ausgewandert.

BA: Das finde ich schön mit den Geschäftsmodellen. Ich würde nämlich auch noch einen drauf setzen und sagen „Marketing 4.0“. In der digitalen Welt ist interessanterweise ganz viel, was überhaupt nichts mit Digitalem zu tun hat, sondern mit dem Verhalten, den Vorlieben, den Lebensweisen von Menschen. Was macht ihr für Erfahrungen damit? Ihr untersucht ja kurz und klein die Social Media Zielgruppen für die Marken und eure Kunden. Wie hat sich das verändert, wird das immer kleinteiliger oder wird der Filter immer größer?

Frederic: Ich glaube, dass es in dem Bereich eigentlich einen permanenten Wechsel an Veränderung gibt, wo man eigentlich keine klare Linie absehen kann, sondern man muss einfach wirklich immer hinterher sein und das Verhalten der User/Nutzer verändert sich eigentlich ziemlich stark in einem sehr kurzen Zeitraum. Wir sehen das mit Facebook innerhalb von zwei bis drei Jahren. Einem Medium, wo vor allem junge Leute drauf waren, viel Interaktion war, nur „geshared“ worden ist etc., hin jetzt zu einem Medium, was eher jetzt für eine ältere Zielgruppe, fast schon wieder für die Eltern, interessanter ist. Es kommen neue Kanäle hinzu, wie Instagram und Snapchat, die innerhalb kürzester Zeit das Verhalten der Nutzer und User komplett umkrempeln. Wir sehen es auch mit Messenger-Diensten, jetzt gerade WhatsApp, Telegram… da wird noch einiges passieren. Also ich glaube, da braucht es wirklich eine permanente Aufmerksamkeit und das Recherchieren von Daten, um Trends im Vorfeld zu erkennen. Das ist glaub ich auch etwas, was sehr wichtig in diesem Bereich ist. Eine pauschale Antwort, wie das Userverhalten genau aussieht, das gibt es in diesem Sinne nicht. 

LS: Also Trends – weil du gerade gesagt hast, man muss sozusagen versuchen Trends im Vorfeld zu erkennen – das ist ja so ein bisschen wie der Blick in die Glaskugel. Heißt das dann, Digitales Marketing ist der permanente Blick in die Glaskugel?

Frederic: Ich glaube nein, so pauschal kann man das nicht sagen. Es ist allerdings wichtig, immer auch eine Glaskugel dabei zu haben, sagen wir es mal so. 

LS: Also das ist dann sozusagen der analoge Teil digitalen Marketings?

Frederic: Ich glaube, das digitale Marketing ist ja nicht umsonst auch zu bezeichnen mit „Realtime Marketing“ – sprich also, man muss auf die jetzt gerade gegebenen Gegebenheiten eingehen. Also es ist einfach so schnell heutzutage vom Informationsaustausch bis hin zu Marketing Ads, sag ich mal bis hin zu Anpassungen. Das alles passiert in Echtzeit heutzutage, um es auch mal auf Deutsch zu sagen. Und ich glaube in dem Bereich muss man sich darauf fokussieren, was jetzt gerade ist, aber man darf niemals vergessen – wie wir es eben ja schon mal gesagt haben – immer diese Glaskugel dabei zu haben und einen Blick reinzuwerfen: Wohin entwickelt es sich gerade? Um effektiv daraus Strategien zu entwickeln, die Ansprache mitzunehmen und Kanäle auch zu verbinden. Man kann ja auch dem User den Weg von einem Kanal zum anderen Kanal erleichtern und das direkt mit einplanen.

"Es ist wichtig, immer auch eine Glaskugel dabei zu haben."

BA: Da sind wir ja mitten bei den Datenschnittstellen von Social Media und dem Facebook-Skandal. Hat der Facebook-Skandal zu Veränderungen geführt, die ihr spüren könnt?

Moritz: Also von meiner Seite jetzt gerade NOCH nicht effektiv sofort. Ich glaube auch, das ist etwas, was gar nicht so schnell passieren kann, weil da eine Maschinerie dahinter ist, die sich gar nicht so schnell umsetzen lassen kann. Ich denke aber, dass es auf kurze Zeit oder mittelfristig definitiv zu einer Veränderung führen wird. Ich glaube, dass die Werbemittel bzw. die Werbeanzeigen definitiv qualitativ wieder gewinnen werden. Sprich, es wird nicht mehr diese Menge an Werbung und Reizüberflutung in diesem Kanal geben, wo einfach alles ausgespielt werden kann und der User auch diese Reizüberflutung erfährt. Es wird eher darauf hinauslaufen, dass die Preise anziehen werden. Ich glaube, das wird ein Effekt sein, aber dadurch werden eben auch wirklich die Anzeigen qualitativ hochwertiger und eben nicht mehr an Hinz und Kunz ausgestrahlt  – ja, ich sag jetzt mal an „No Brainer“ – weil Facebook einfach nur eine große Menge an Traffic, Views und Reichweite generieren will. Sondern dass es eher dann nur noch an die richtigen Leute kommt und daher natürlich auch der Preis für die jeweiligen Werbeaktionen dementsprechend steigen wird. 

BA: Gib uns mal ein durchschnittliches Zahlenbeispiel. Eine Lifestyle-Marke – du musst ja keine Namen nennen – die ihr betreut, was generiert ihr so im Monat an Reichweite und Likes und was kostet das?

Moritz: Da ist kein Ende nach oben und es kommt immer drauf an. In letzter Zeit erleben wir gerade was Facebook angeht, eine zunehmende Beschneidung, gerade was die organische Reichweite anbelangt, d.h. die Ads werden prinzipiell etwas teurer, da immer mehr Leute auf Ads setzen, was natürlich absolut Sinn macht. Facebook liefert aber auch immer weniger Ads aus, weil es auch immer wieder Algorithmen-Changes gegeben hat, da die Leute eigentlich immer weniger Ads sehen wollen. Das bedeutet es wird zunehmend teurer. Ja, ich sag mal Ergebnisse, Engagement, Sachen können anfangen bei mehreren Cent oder auch noch günstiger. Es kann aber auch hochgehen bis zu Euros, die man zahlen muss. Je nachdem welche Zielgruppe es ist oder wie gut der Content ist.

BA: Du meinst jetzt Cent oder Euro pro Kontakt, die Facebook oder Instagram mir liefert?

Moritz: Richtig, genau. Entweder für einen Klick, für eine Anmeldung – je nachdem, was auch das Ergebnis sein soll. Das ist schon auch ein Universum für sich, was viele Möglichkeiten hat. 

BA: Aber wenn ein Kunde kommt und sagt „Ich verkaufe Steine und jetzt ist die Saison eröffnet und ich bin so ein bisschen spät dran, aber ich würde jetzt gern innerhalb der nächsten 4 Wochen über Facebook meinen Umsatz verdoppeln.“ Was antwortest du ihm?

Frederic: Ja, ich glaube Umsatz verdoppeln über Facebook mit Steinen… Also man muss einfach sagen, wenn man sich mit der Sphäre Facebook auseinander setzt und auch mit dem Facebook Business Manager, was ja so das „Ober-Tool“ von Facebook ist, sieht man erstmal was für unterschiedliche Kombinationsmöglichkeiten verschiedener Werbeziele, Werbedurchführungen etc. man dort hat.

BA: Der will einfach nur Steine verkaufen, ist doch ganz einfach. Da könnt ihr ja auch einen Radiospot oder eine Tageszeitungsanzeige schalten und dann würden die ihm ganz klassisch-herkömmlich ausweisen „Du erreichst – theoretisch – so und so viele Menschen mit meiner nächsten Ausgabe und das kostet dich „X“ und an seinem Absatz kann er dann absehen, ob er mehr Steine verkauft hat. Das ist sozusagen das alte Modell. Wie macht man das im Neuen?

Frederic: Also vielleicht muss man da anders anfangen. Ich will jetzt mal schnell was verkaufen über Facebook. “Schnell“ geht eigentlich prinzipiell gar nichts mehr, außer man hat ein Budget wo Geld einfach keine Rolle mehr spielt. Das heißt, man sagt, es ist egal wie viel ihr braucht, ich mache euch einen Blanko-Scheck, ich will einfach nur 100.000 Steine verkaufen. Das kriegt man bestimmt hin, das ist auch nicht das Problem. Aber das ist ja nicht der Fall. Das ist ja eher erstmal die Frage, die Zielgruppe herauszufinden, die es ja auch auf Facebook gibt, zu tangieren, wen man erreichen muss. Das ist meist schon mal ein längerer Test. D.h. man muss B-Testings machen, Trial & Error – wie man heute ja auch schon mal gesagt hatte – also ausprobieren, welche Zielgruppen funktionieren, die dann wiederum anpassen… welche geografischen Gegebenheiten, wo wollen wir verkaufen, was ist das Alter, wie sind die demografischen Gegebenheiten etc. plus plus. Ich glaube Facebook hat da auch mit die größten Auswahl- und Spezifizierungsmöglichkeiten von fast allen Tools, die es im Digitalen Marketing bzw. Kanälen gibt. Facebook bietet Möglichkeiten hinsichtlich der Zielgruppendefinitionen, da könnte man an einer Zielgruppe einen ganzen Tag sitzen – ohne Witz jetzt – nur um sie zu optimieren, wirklich nur.

BA: Das klingt super komplex und kompliziert. UND dass man erstmal seine Business Modelling Hausaufgaben machen muss, bis man so eine „popelige“ Facebook-Kampagne schalten kann. Da ist eine Tageszeitungsanzeige schalten, viel einfacher. Trotzdem gibt es ja erfolgreiche Beispiele, auch aus dem Mittelstand, dass solche Facebook-Kampagnen nicht nur funktionieren, was Image, Aufmerksamkeit und Reichweite betrifft, sondern eben durchaus auch für Sales. 

Moritz: Absolut und das wird auch weiterhin so funktionieren und das funktioniert auch besser als herkömmliche Werbung, gerade wenn man dann die Zielgruppen herausgefunden hat. Das ist das Spannende. Dann hat man wirklich den Fall, dass man für relativ günstiges Geld Conversion direkt bekommen kann. Gerade wenn dahinter eine gute Landingpage, ein guter Shop steckt, wo man die Dinge direkt online kaufen kann. Aber auch wenn es darum geht, Lead Generation zu machen, also zu versuchen Newsletter-Anmeldungen, Anmeldungen für Seminare, Anmeldungen für zusätzliches Informationsmaterial oder ähnliches zu bekommen, ist das einfach ein super Tool. Gerade weil man iterativ messen kann, wie viel passiert ist und immer wieder zusätzliche Wiederholungen mit leicht unterschiedlichen Parametern hat und das ist ein riesen Vorteil, den man gegenüber herkömmlicher Werbung hat und treibt die Kosten extrem nach unten.

"Ohne den richtigen Content geht es nicht."

LS: Wobei man sicherlich zur Vollständigkeit noch sagen muss, dass es natürlich ohne den entsprechenden Inhalt, den die Anzeigen letztlich produzieren, also transportieren müssen, ja nicht geht. Das kommt sozusagen, wenn wir weiter über Kosten für Kampagnen sprechen und welchen Umfang muss ich als Unternehmen finanziell beanspruchen, um in Social Media aktiv und erfolgreich zu sein. Ein wichtiger Punkt ist das Thema Content – ohne den funktioniert es nicht – das kommt zur gesamten Kampagnenplanung und -durchführung und den Budgets, die ich für das Schalten der Anzeigen brauche, noch oben drauf. 

Moritz: Ohne den richtigen Content geht es nicht, das spielt eine riesige Rolle. Und genauso eine Rolle spielt das Target, also wohin leite ich den User, nachdem er mit meinem Content interagiert hat. Kommt er auf eine schäbige – sag ich jetzt mal – nicht mobil-optimierte Seite, dann wird er direkt wieder weggehen und dann hab ich auch keine Chance ihm dort meine Steine zu verkaufen, wenn wir jetzt bei dem Steine-Beispiel bleiben. Was anderes ist es, wenn er jetzt auf eine hochoptimierte, schöne, vielleicht auch witzige und emotionale Seite kommt, wo wunderschöne Steine angepriesen werden, dann habe ich eine höhere Chance, dass er kauft. Es muss also immer mitgedacht werden, dass man den ganzen Sales Funnel (Verkaufstrichter) dementsprechend aufbaut und den auch anpasst. Und genau diese Möglichkeiten hat man dann natürlich im Online- oder Digital Marketing.

Frederic: Ich glaube, das wird auch immer wieder gesagt, aber ich finde es auch wichtig das zu wiederholen. Wir befinden uns auch in einer Zeit der Reizüberflutung, d.h. – das hatten wir eben schon hinsichtlich Facebook gesagt – wo man permanent  von Werbeanzeigen verfolgt wird. Und ich glaube auch in diesem Zeitalter ist es eben der Punkt oder der USP eines guten Unternehmens oder einer guten Marketing-Agentur gerade durch Content zu überzeugen - gerade dadurch, dass man dem Kunden einen Mehrwert bietet und das verpackt mit einer Werbung. Das heißt also, dass man auf Fragen oder auf Probleme, die der Kunde hat, eine Antwort, eine Lösung oder interessante Inhalte bietet, die man anhand von Werbung dann natürlich verbindet.

BA: Wenn ich mich jetzt nochmal auf unser Steine-Beispiel bemühe, machen das alle Steine-Verkäufer. Also alle Steine-Verkäufer versuchen die Probleme ihrer Kunden zu lösen und ihnen irgendwie entgegen zu kommen. Die Frage ist: Was macht den einen Steine-Verkäufer so besonders? Oder umgekehrt, geht es nicht darum über Social Media heute und in Zukunft in dem Moment – von wegen „Real Time“ – von dem einen, der in meiner Nähe ist und meine Steine sucht, gefunden zu werden? Wie auch immer man das macht. 

Frederic: Also ich glaube vielleicht muss man mal von dem Thema weg verkaufen zu wollen über Social Media. Das ist der Punkt, wo man ganz einfach mal sagen muss, Social Media ist vielleicht einfach gar nicht mehr der Kanal, wo man jetzt einen reinen Sales-Kanal draus machen sollte. Social Media ist in meinen Augen eher ein Kanal, wo man Engagement fördert, auf Interaktion mit dem Kunden eingeht, Brand Awareness schafft und auch eine Bindung zu der Marke mit dem Kunden schafft. Sprich, Social Media ist in erster Linie – muss man dazu sagen – eher dafür da den Kunden an meine Marke zu binden und auch dem Kunden meine Marke näher zu bringen, verständlich zu machen überhaupt. Wofür stehe ich? Was ist meine Marke? Und gar nicht „Ich verkauf dir einen Stein“, sondern was steht hinter diesem Stein? Was steht hinter dieser Firma? Wer ist der Besitzer? Was ist die Firmenphilosophie dahinter? Was ist der Look&Feel? Also was verkauf ich für einen Lifestyle? – weil wir hatten auch eben das Lifestyle-Thema. Social Media ist ein ganz klarer Kanal bzw. sind ganz klare Kanäle, durch die Lifestyle transportiert wird, also über die Emotionen transportiert werden. Man möchte ja nicht, dass der Kunde nach zwei Jahren oder nach einem Jahr sagt „Ach, ich brauch wieder Steine“ und wieder die Suche von neuem beginnt. Nee, das will man natürlich nicht, sondern man will ja, dass dieser Kunde sofort sagt „Ach, ich brauch Steine. Da gehe ich zu Firma „X“, weil, die begleitet mich seit einem Jahr, die verfolge ich – nicht intensiv, aber die hab ich immer wieder auf dem Schirm – mit der kann ich mich verbinden“ und deswegen ist gar nicht mehr die Frage nach „Ich muss jetzt nach einem neuen Unternehmen suchen“, sondern „ich bin engaged mit einer Firma“ und das ist glaub ich ein ganz großer USP, den man über die Sozialen Netzwerke heutzutage an die Kunden und potenziellen Kunden übertragen kann.

"Social Media sind ganz klare Kanäle über die Emotionen transportiert werden."

LS: Und dann muss es, wenn ich das richtig verstehe, noch gelingen, dass es auf allen Kanälen, die das Unternehmen letztlich verwendet, in keine der Richtungen abreißt. Also aus Sicht des Web bzw. Social Media im Web muss die Botschaftsfortführung gelingen. Will heißen, alles muss in irgendeiner Form miteinander verknüpft sein, miteinander arbeiten und sich gegenseitig befördern. Warum muss das miteinander funktionieren?

Moritz: Weils dadurch sehr viel wirksamer wird. Wichtig im Online-Marketing ist natürlich – das bemängeln viele User und das ist auch etwas, das häufig dazu führt, dass man das Gefühl hat verfolgt zu werden – wenn man durch die Cookies beispielsweise Werbung von einer bestimmten Tasche immer wieder vorgespielt bekommt, und zwar auf jeder Webseite – das ist ein Problem, auf der anderen Seite funktioniert das auch, deswegen machen es auch alle. Und das ist so ein bisschen das Dilemma, in dem man sich im Digital Marketing gerade befindet. Diese Remarketing-Maßnahmen sind auf der einen Seite recht wirkungsvoll. Es ist auch wirkungsvoll, gleiche Messenges, ähnliche Werbung auf unterschiedlichen Kanälen zu schalten. Die Penetration wirkt da einfach, man sieht das in den Abschlusszahlen. Das ist nicht bei allen Produkten so, aber es ist ein genereller Trend, der sich gezeigt hat. Und das Problem ist, dass das eben auch die User nervt. Jetzt ist es an der Frage, wie sich das weiter entwickeln wird. Dazu gibt es keine Pauschalantwort. Höchstwahrscheinlich – und das sehen wir jetzt schon bei Facebook – ist, dass Ads oder der Raum, auf dem Ads gezeigt werden dürfen, weiter eingeschränkt wird. Das ist im normalen sowieso durch Ad-Blocker schon der Fall. Bei Facebook werden in der Timeline dann weniger Ads erscheinen. Bei anderen Tools, wird’s wahrscheinlich in eine ähnliche Richtung gehen, da wird hoffentlich die Qualität dahingehend zunehmen, dass dadurch auch die Preise in dem Bereich steigen. Es ist ja immer auktionsgetrieben, d.h. je nachdem, wie viele unterschiedliche Leute auf den Sendeplatz in der Timeline bieten, wird es teurer.

BA: Beides, was du gerade beschrieben hast, ist so alt wie das es Medien gibt. Und das ist fast noch ein Zurück in die Zeit vor dem dualen Rundfunksystem in Deutschland, als es nämlich nur ARD und ZDF gab und Werbezeit extrem eingeschränkt war, nämlich auf 20 Minuten am Tag auf zwei Channels und die Werbetreibenden jahrelang Schlange standen, um überhaupt zugelassen zu werden. Da gab es übrigens eine Wirksamkeit von 60% Reichweite der gesamten deutschen Bevölkerung ab 14 Jahre. Das hatte man mit der Schaltung von drei Spots und damit war das Thema erledigt. Also möglicherweise kommen wir dahin ja zurück. 

Moritz: Das glaube ich nicht.

LS: Weil die Vielfalt einfach viel zu groß ist?

Moritz: Ja, es gibt viel zu viele Kanäle und um vielleicht auch nochmal zurück auf eine der Ausgangsfragen zu gehen, es wird unglaublich spezifisch und es wird immer spezifischer. Und wir werden eine Verbesserung in den einzelnen Nischen sehen, es wird aber gleichzeitig trotzdem eine Verbreiterung geben, auch was neue Kanäle angeht. Die Spielfelder werden mehr, im Messenger sehen wir jetzt schon zusätzliche Ads, bei WhatsApp wird es eventuell kommen. Es wird das x-te Social Media Netzwerk rauskommen, von dem wir jetzt noch gar nichts wissen, was in zwei Jahren es uns auch ermöglichen wird, dort Ads zu schalten. Die Kanäle werden immer mehr. Es wird deshalb nicht wirklich dazu kommen, dass wir eine Verknappung der Werbezeit oder des Werbeplatzes haben, aber es wird einen zunehmenden Kampf um die guten Plätze geben und um die geht es auch. Also alle wollen die gleichen „high-income People“ in den Ländern erreichen, die auch wirklich Sachen über Facebook kaufen. Diese Leute zu erreichen, wird zunehmend teurer werden und das werden auch zusätzliche Kanäle nicht ändern. Dann wird es auf diesen zusätzlichen Kanälen auch enger werden, denn um genau die gleiche Zielgruppe geht es immer wieder. 

Frederic: Ich wollte noch etwas zu der Frage davor sagen. Wie sich das Konstrukt auch noch zu früher mit den sozialen Netzwerken heute verändert, ist vielleicht nochmal sehr gut zu beschreiben an dem Beispiel, wenn man auf einem Kanal versagt und man hier keine gute Arbeit leistet oder die „Customers“ halt wirklich verärgert oder auch überstrapaziert. Dann ist es möglich, dass sich das in Echtzeit auf alle anderen Kanäle, die man bespielt auswirkt. Also man hat auch hier eine Art Kettenreaktion, bei der man wirklich sehr vorsichtig sein muss heutzutage, dass man alle Kanäle, auf denen man ist, auch mit der gleichen Behutsamkeit pflegt und auch mit den gleichen Strategien in dem Sinne bespielt. Bietet man auf einem Kanal den Content beispielsweise nicht mehr qualitativ hochwertig an, sondern betreibt nur noch reine Sales und Penetrationsmarketing, würde es sich auch auf die anderen Kanäle auswirken, dadurch dass alles sehr eng vernetzt ist heutzutage.

"Nicht mitmachen, ist nicht wirklich eine Option."

BA: Die Frage, die ich noch hatte, nämlich „Gibt es eine Alternative oder ist es eine Option als Marke/Unternehmen/Mittelständler einfach nicht aufzutauchen in den sozialen Medien?“ wäre damit beantwortet. Mit einem klaren „Nein, es ist keine Option.“ Oder?

Frederic: Nein, also die Kommunikation geht dahin, dass es nur noch über soziale Netzwerke geht. Sprich also, wer einen Dialog führen möchte als Unternehmen, muss in den sozialen Medien sein.

Moritz: Die große Gefahr, wenn man als Mittelständler oder als Unternehmen generell nicht bei Social Media mit dabei ist, ist, dass andere Leute über die eigene Marke berichten und man selber keine Chance hat dort mit einzugreifen. Da ist genau die Frage: Will man selber als Unternehmen die Kommunikation über sich selbst mit steuern, will man – und meistens will man das – sozusagen mitgehört werden oder soll die Perspektive anderer Leute das Außenbild der Firma darstellen. Und ob das jetzt um die Bewertung der Attraktivität eines Arbeitgebers geht oder ob es um Dinge geht, wie Skandale – die ja jetzt auch nicht jedes Unternehmen hat, aber es können natürlich immer mal Dinge passieren – oder auch einfach um das Zusammengehörigkeitsgefühl, das man in einer Firma hat, aufzuzeigen. Es ist immer wichtig selbst die Kommunikation mit zu steuern. 

LS: Also vor allen Dingen auch in Hinblick, weil es durchaus Apps und Dienste gibt, wo automatisiert Business-Profile angelegt werden, einfach aus dem Grund, dass Adressen einfach über eine Webseite veröffentlicht sind und man dann sozusagen erstmal als Unternehmensinhaber letztlich den Zugriff auf dieses automatisiert erstellte Business-Profil beantragen muss. Das wäre also sozusagen ein konkreter Hinweis, dass auch diejenigen, die sich nicht in den sozialen Netzwerken und im Web bewegen, nicht davor gefeit sind, doch in irgendeiner Form aufzutauchen, mit dem Unterschied, dass sie es selber nicht kontrollieren. 

Moritz: Richtig.

Frederic: Genau.

Moritz: Nicht mitmachen, ist nicht wirklich eine Option. Dann machen andere für einen mit und das will man eigentlich nicht. 

BA: Vielen Dank für das Gespräch!

 

Interview: Beate Appel (BA), Lutz Schäfer (LS)
Redaktion: Lutz Schäfer
Produktion: Steve Feige

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