Maximilian Walter (MW) ist Professor für Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftspolitik an der Hochschule in Hof. Seit dem Wintersemester 2018 ist er in seinem Berufungsgebiet auch bei MIKOMI als Dozent tätig. Sein berufliches Zuhause war der Verlagsbereich. Zurück zur Universität wollte er allerdings schon immer, denn er arbeite sehr gerne mit Studenten zusammen und auch die Forschung liege ihm am Herzen. Walter ist auch international tätig und hat eine Professur an der Pennsylvania State University (PennState University) in Philadelphia. Zudem pflegt er Universitätskontakte nach Budapest und kümmert sich jetzt gerade um den Aufbau neuer Kontakte in Kasachstan.

MIKOMI: Ihr Fachgebiet ist die Volkswirtschaftslehre. Das ist ein ziemlich umfangreiches Themengebiet, wodurch Sie an den zwei Seminartagen sicherlich auch ein ziemlich straffes Programm haben. Was beinhaltet Ihre Lehrveranstaltung alles?

MW: Mein Fachgebiet ist die Volkswirtschaftslehre und spezialisiert habe ich mich vor allem auf das Thema Wirtschaftspolitik. Also meine Intention ist dazu beizutragen, dass Sie viele Dinge, die gesellschaftlich derzeit auf dieser Welt passieren und die dementsprechend auch ökonomisch beeinflusst sind, ein bisschen besser zu verstehen. Da geht es natürlich auch sehr stark um das Thema USA, weil wir immer noch auch sehr stark ökonomisch eben auf die Vereinigten Staaten von Amerika schauen und dort vieles nicht verstehen, so wie die uns auch teilweise nicht verstehen. Es geht ganz einfach darum jetzt auch vielleicht die aktuelle Zentralbank-Politik den Teilnehmern etwas näher zu bringen. Warum kriegt man keinen Zins mehr? Warum kriegt man kein Geld mehr für sein Geld? Wie macht man die Altersversorgung als junger Mensch möglichst sinnvoll? Warum will der Zentralbank-Präsident, der eigentlich der Inflationsbekämpfung verpflichtet ist, jetzt Inflation? Also ganz aktuelle, virulente Fragen. Das versuche ich theoretisch zu unterfüttern.

"[BWL und VWL sind nur trocken], weil sie trocken gelehrt werden!"

MIKOMI: VWL und auch BWL sind meistens ja eher trockene Themengebiete...

MW: Da bin ich jetzt aber mal so böse und sage, das ist so, weil sie trocken gelehrt werden. Gerade die Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftspolitik beeinflussen täglich unser Leben. Sei es, dass wir Sorge um unseren Arbeitsplatz haben oder dass wir Sorge um unser Geld haben, weil wir eben keine Zinsen mehr dafür bekommen. Seien es, die Themen Wettbewerb, Außenpolitik oder Exportpolitik – das sind ganz konkrete Lebensbereiche. Man kann sie natürlich sozusagen in Modellwirklichkeiten packen und soweit von der echten Realität abstrahieren, dass im Grunde nichts mehr für den Tag übrig bleibt.

Viele meiner Kollegen fühlen sich in der Modellwirklichkeit wohler als in der echten Realität, weil man in der Modellwirklichkeit eben auch nicht mit Einflussfaktoren zu tun hat, die unberechenbar sind. Und viele Kollegen fühlen sich halt mit berechenbaren und formal analytisch lösbaren Faktoren glücklicher und tun sich da offensichtlich leichter, aber tragen nicht gerade unbedingt zur Erkenntnisgewinnung für die Realität dann bei.

2008 nach der Finanzkrise waren wir alle überrascht, dass keiner der großen Nobelpreisträger meines Fachgebiets auch nur im Ansatz da offensichtlich Krisentendenzen gesehen hat oder sie zumindest nicht geäußert hat. Viele sitzen da in ihren Elfenbeintürmen, es klopft irgendwann an der Tür, der Herr Professor öffnet und man sagt ihm „Du, draußen geht die Welt gerade unter!“ und dann sagt er „Das kann nicht sein. Das ist in meinen Berechnungen nicht vorgesehen.“

"Wir können uns nolens volens nicht aus den wirtschaftlichen Problemen und aus den wirtschaftlichen Belangen rausmogeln."

MIKOMI: Sie sprechen in Ihrem Buch zur VWL „Stabilisierungspolitik“ von „unmittelbar vitalen Problemen, die uns alle betreffen“. Das bedeutet ja – Sie hatten es eben schon kurz angesprochen – dass die Volkswirtschaftslehre uns in allen Bereichen irgendwie beschäftigt.

MW: Ja, ob Sie sich jetzt für Wirtschaft oder Volkswirtschaft interessieren oder nicht, spielt letztendlich keine Rolle. Die Wirtschaft kommt sozusagen auf Sie zu. Wenn Sie einen Job suchen. Wenn Sie Geld brauchen oder anlegen wollen. Wenn Sie in ferne Länder fliegen und da den Wechselkurs berücksichtigen. Also wir können uns nolens volens nicht aus den wirtschaftlichen Problemen und aus den wirtschaftlichen Belangen rausmogeln. 

"Es gibt viele Dinge, die wir jetzt so, wenn man im Alltag lebt, eigentlich nur mit Kopfschütteln beantworten können."

MIKOMI: Als abschließende Frage noch: Was sollen die MBA-Studierenden denn aus Ihrer Lehrveranstaltung mitnehmen?

MW: Mit einem Satz: Sie sollten eigentlich ein bisschen besser verstehen, was momentan unter wirtschaftlichen Aspekten auf der Welt so zugeht. Sie sollen ganz konkret, wenn sie am Montag hören „Der Zinsausschuss der Zentralbank hat ‚dieses oder jenes‘ beschlossen“, eben dann besser verstehen und wissen, was damit gemeint ist. Oder was die Unternehmenssteuerreform von Donald Trump bedeutet und warum er da so große Zustimmung hat.

Es gibt viele Dinge, die wir jetzt so, wenn man im Alltag lebt, eigentlich nur mit Kopfschütteln beantworten können. Warum der Zentralbank-Präsident Inflation will und nicht Preisstabilität. Das ist auch so ein Beispiel. Dass man da eben die Hintergründe aufzeigt und – eigentlich ganz praktisch fürs tägliche Leben – ein tieferes Verständnis der Zusammenhänge bekommt. Das wäre mein Anspruch und mein Wunsch.

Interview: Christin Sperling
Redaktion: Beate Appel
Produktion: Steve Feige

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