8:00 Uhr: Ich habe die Zahnbürste im Mund und schaue mich im Spiegel an. Ich sehe genau so müde aus wie ich es bin. „Hallo Mama, ich bin wach“, ruft es von nebenan. Es ist mein viereinhalbjähriger Sohn. Jetzt also beginnt wieder einer unserer seit Wochen stattfindenden gemeinsamen Homeoffice-Tage. Ich spüle mir schnell den Mund aus und gehe zu ihm. Es folgen Standardfragen: „Ist das Virus weg?“, „Müssen wir heute in den Kindergarten?“ und „Ist heute wieder so eine Videokonferenz?“ Ich trage es mit Fassung. Aber dann kommt Sie doch noch die Frage: „Kann mich mein Freund Karl heute besuchen?“ Wir wissen alle, daraus wird nix so richtig. Versuchen wir es vielleicht mit Spielplatz? Das denke ich nur, denn wir müssen ja erst einmal acht Stunden arbeiten. Es gelingt mir die Frage nicht beantworten zu müssen und wir können unsere Morgenroutine beginnen. Homeoffice braucht Rituale und natürlich haben wir einen festen Plan. Wir haben sogar einen Morgenkreis und danach ein Angebot – abgeguckt vom Kindergarten. Heute machen wir übrigens ein Memory. Zusammengefasst läuft es eigentlich prima.

09:30 Uhr: Dann steht das erste Videomeeting an. Genau in dem Moment, als sich alle Teilnehmer begrüßen, verkündet mein Sohn „Mama, ich muss auf Toilette!“ Das Mikro war nicht schnell genug aus, die gesamte Belegschaft amüsiert sich köstlich. Den „Ich-bin-fertig-Ruf“ von der Toilette kann ich zum Glück vorhersehen und komme mit der Stummschaltung dem nächsten Gelächter aus der virtuellen Welt zuvor. Puh… geschafft, denke ich mir so und stecke schon mitten in einer Minipräsentation, gefolgt von einer Planungsdiskussion. Die Zeit vergeht wie im Flug und ich frage mich, warum die Meetings immer so lange gehen!?

11:30 Uhr: Ich schaue panisch auf die Uhr, gleich muss das Mittagessen auf den Tisch, anderenfalls muss die Gummibärchentüte wieder herhalten. Gesunde Ernährung sollte ja unbedingt sein. Ein kurzer Blick auf meinen Wochenessensplan beruhigt mich etwas. Check! Vorbereitung ist alles: Zum Glück muss ich heute nur Kartoffeln kochen, Quark anrühren, Gurken für den Gurkensalat schnippeln und fertig.

12:00 Uhr: Zwischen „Mama, wo ist denn...“ und „Mama, kann ich andere Socken haben, die mit Spiderman?“ oder „Mama, das LEGO ist runtergefallen, jetzt ist das hier ab.“ bringe ich das Essen auf den Tisch. Trotz des einfachen Essens sieht die Küche aus wie nach einem Anschlag. Das Essen klappt wunderbar, es sind nur ein- bis zweimal „Sitz bitte ordentlich.“ und „Nimm bitte nicht die Finger.“ nötig. Sonst haben wir Spaß und lassen es uns schmecken. Im Anschluss schicke ich das Kind aufs Sofa und weise eine kurze Mittagsruhe an. Ich versuche inzwischen das Chaos in der Küche zu bewältigen. In der Mittagspause darf mein Sohn auch die Oma anrufen. Sie liest ihm eine Geschichte vor und ich habe Zeit meine Mails zu beantworten. 

15:30 Uhr: Der Nachmittag hält weitere Herausforderungen für mich bereit. Ein Sturz von der Schaukel mit anschließender Wundversorgung und ein Vortrag über das Umgehen mit den eigenen Sachen. Dazwischen versuche ich meiner Arbeit weiter nachzukommen und telefoniere. Später am Nachmittag bereite ich schnell eine kleine Vesper vor und rufe mein Kind aus dem Garten. Jetzt kommt die Gutes-Teufelchen-böses-Teufelchen-auf-der-Schulter-Situation. Mich überkommt das schlechte Gewissen und ich schlage ein kurze Spieleinheit vor. Die Freude ist riesig und sofort werden Autos, Raumstation und Bücher angeschleppt. Schön! Aber schon nach fünf Minuten fallen mir Dinge ein, die ich heute unbedingt noch schaffen muss, Mails, die ich noch schreiben muss oder Anrufe, die ich noch nicht geschafft habe. 

16:00 Uhr: In Gedanken bin ich schon nicht mehr beim Spielen, das wird natürlich umgehend bestraft: „Mama, der Feuerwehmann kann aber nicht mit der Rakete fliegen.“ Oh ja, wo er Recht hat, hat er Recht. Die Geduld verlässt mich und ich bitte mein Kind sich noch ein bisschen allein zu beschäftigen. Das nun folgende „Ach Mama, wir haben doch gerade erst angefangen.“ zeigt mir meine Ungeduld auf und löst einen kurzen Wutanfall aus. Ich schimpfe, sage das Kind soll verstehen, dass ich arbeiten muss. Ich erinnere mich, dass er viereinhalb Jahre ist und eigentlich schon gut und lange durchhält. Ich bin enttäuscht von mir, weiß, dass ich falsch reagiert habe und versuche nun viel zu nett zu meinem Sohn zu sein. Noch eine Stunde, dann kommt der Papa nach Hause. Ich freue mich auf die Entlastung und erledige noch einige Arbeiten am Rechner. 

17:30 Uhr: Als mein Mann zur Tür herein ist, entspanne ich mich etwas. Nun kann er sich um überall verteilte Spielgeräte, Schlamm auf der Terrasse und um die unzähligen Stöcke im Baumhaus kümmern. Das er natürlich auch von einem stressigen Arbeitstag kommt, ist mir im ersten Moment entfallen. Das wird mir dann aber schnell klar als meine Laune auf seine trifft. Wie das dann aussieht ist sicher auch jedem klar. Aber auch hier finden wir schnell wieder heraus und widmen uns nun dem Abendessen und erzählen was wir am Tag so erlebt haben. 

19:30 Uhr: Für meinen Sohn ist der Tag zu Ende, wir beginnen uns fürs Bett fertig zu machen. Zum Glück klappt das alles problemlos und ohne Mittagsschlaf geht das Einschlafen auch schnell. Zurück aus dem Kinderzimmer wartet das Chaos in der Küche und in der Spielecke, jetzt beginnt die Haushaltszeit. Es wartet auch noch die Wäsche, die Freude ist grenzenlos. Irgendwann ist es aber geschafft und man hat noch ein paar ruhige Minuten, um sich auf den nächsten, ebenso kurzweiligen Tag zu freuen. 

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