Was braucht es, um in unsicheren Zeiten nicht nur auf Veränderungen zu reagieren, sondern selbst ins Handeln zu kommen?

Rückblick "Fit für die Zukunft 2026"

Unter dem Motto „Mut zur Zuversicht“ brachte die diesjährige Veranstaltung „Fit für die Zukunft“ am 8. Oktober 2026 Menschen aus Wirtschaft und Wissenschaft im njumii in Dresden zusammen. Gemeinsam mit der SCHNEIDER + PARTNER Beratergruppe und WIRTSCHAFT IN SACHSEN gestalteten wir als MIKOMI erneut einen Nachmittag und Abend rund um aktuelle unternehmerische Fragen.

Dabei ging es bewusst nicht darum, schwierige Entwicklungen kleinzureden. Im Mittelpunkt stand vielmehr die Frage, was Unternehmen selbst gestalten können, wenn vertraute Strukturen unter Druck geraten, Märkte sich verändern oder neue Entscheidungen anstehen.

Den Auftakt bildeten am Nachmittag drei Workshops, die Veränderung aus unterschiedlichen unternehmerischen Perspektiven betrachteten. Am Abend folgten Keynote und Podiumsdiskussion. 

 

Wie gelingt Veränderung, wenn sie nicht allein auf dem Papier stattfinden soll? 

Im Workshop „Wenn alles anders wird: Wandel gestalten statt Wandel ertragen“ von Andreas Barth, Dozent für Unternehmensführung und Organisationsentwicklung und Referent am MIKOMI, stand aus Teilnehmersicht vor allem die Frage im Mittelpunkt, wie Künstliche Intelligenz professionell in Organisationen eingeführt und verankert werden kann.  

Dabei zeigte sich schnell: Viele Unternehmen stehen vor sehr ähnlichen Herausforderungen – bei Kommunikation, effizientem Arbeiten, Schnittstellen oder der strategischen Ausrichtung.

Ein wichtiger Punkt war deshalb die Rolle von Führungskräften und Inhaber:innen. Sie sollten sich immer wieder bewusst aus dem Tagesgeschäft herausnehmen, eine Metaebene einnehmen und sich mit der Identität, den Werten und der zukünftigen Ausrichtung der Organisation beschäftigen. Für einige Unternehmen stand dabei ganz konkret die Frage im Raum: Wer sind wir und was wollen wir künftig anbieten?

Ebenso deutlich wurde die Bedeutung begleiteter Change-Prozesse. Verantwortlichkeiten sollten klar benannt und die zuständigen Personen methodisch geschult werden, statt Veränderung nur nebenbei mitlaufen zu lassen. Im Fokus stand auch die Frage, wie Verantwortliche Wandel aktiv gestalten und wie sich Veränderungsbereitschaft bei Mitarbeitenden fördern lässt.

Ein weiterer Aspekt war die mentale Gesundheit der Beschäftigten. Sie wird zunehmend zur Aufgabe für Organisationen und sollte gezielt unterstützt werden, etwa durch Maßnahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements. 

Geschäftsmodelle verändern, bevor der Markt dazu zwingt 

Einen anderen Blick auf Veränderung wählte Claudia Gränitz-Kleiber, Leiterin Lernarchitektur und Personalentwicklung am MIKOMI, in ihrem Workshop „Geschäftsmodell-Transformation: Handeln, bevor der Markt entscheidet“.  

Die zentrale Idee: Veränderungen früh erkennen, ihre Auswirkungen auf das eigene Geschäft verstehen und daraus konkrete Handlungsoptionen entwickeln.  

Anhand der Beispiele Netflix, OTTO, Kodak und The Body Shop zeigte Claudia, wie unterschiedlich Unternehmen auf Wandel reagieren können. Die gemeinsame Erkenntnis dahinter: Transformation beginnt am besten nicht erst in der Krise, sondern dann, wenn das bisherige Geschäftsmodell noch funktioniert und damit noch Gestaltungsspielraum vorhanden ist. Die vier Fälle verdichteten das auf unterschiedliche Weise: Neues zulassen, Altes loslassen, aus Erkenntnissen Konsequenzen ziehen und den eigenen Vorsprung immer wieder erneuern.  

Für den Praxisblick war Jan Götze (Inhaber von Fahrlogistik Götze) mit dabei. Er plauderte aus dem Nähkästchen und zeigte anhand der Logistik, wie Veränderungen bei Kundenanforderungen, Arbeitskräften, Digitalisierung, Automatisierung und neuen Technologien ganz konkret Fragen an das bestehende Geschäftsmodell stellen können.  

Anschließend waren die Teilnehmenden selbst gefragt: Ausgehend von Veränderungssignalen entwickelten sie Ideen für neue oder weiterentwickelte Geschäftsmodelle und überlegten, was sich davon als erster Schritt testen ließe. Ein wichtiger Prüfstein dabei war die Frage, ob tatsächlich ein neues Geschäftsmodell entsteht oder lediglich ein bestehender Prozess verbessert wird.  

So wurde aus dem Thema Geschäftsmodell-Transformation eine sehr konkrete Arbeitsfrage für das eigene Unternehmen: Welche Veränderung ist heute schon sichtbar und welche Konsequenz ziehen wir daraus noch nicht? 

 

Kann eine Insolvenz auch Ausgangspunkt für Veränderung sein? 

Der dritte Workshop stellte eine auf den ersten Blick ungewöhnliche Verbindung her: „Zuversicht und Insolvenz – Ist das wirklich ein Widerspruch?“.

Jens Titze, Geschäftsführer der PURAKON GmbH und Experte für Unternehmensfinanzierung und -sanierung, nahm mit den Teilnehmenden das Thema Insolvenz genauer unter die Lupe.

Insolvenz wird häufig unmittelbar mit Krise und Scheitern verbunden. Der Workshop betrachtete deshalb nicht allein rechtliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen, sondern auch die Perspektive der Unternehmerinnen und Unternehmer. Welche Möglichkeiten kann ein solches Verfahren eröffnen? Was bedeutet Restrukturierung in der Praxis? Und kann gerade in einer schwierigen wirtschaftlichen Situation Zuversicht ein Ausgangspunkt für notwendige Entscheidungen sein?

Damit ergänzte der Workshop die beiden anderen Themen um eine weitere Perspektive: Veränderung beginnt nicht immer freiwillig. Manchmal entsteht der Handlungsdruck durch äußere Bedingungen. Umso wichtiger wird dann die Frage, wie Unternehmen mit dieser Situation umgehen. 

Fotos: © SCHNEIDER + PARTNER Beratergruppe und MIKOMI

„Zuversicht für die Zukunft entsteht durch Handeln in der Gegenwart.“ 

Nach den praxisorientierten Workshops rückte am Abend stärker die persönliche Perspektive auf Veränderung in den Mittelpunkt. Keynote-Speakerin Nicola Fritze beschrieb Zuversicht in ihrer Keynote nicht als bloßen Optimismus oder die Hoffnung darauf, dass sich schwierige Situationen schon irgendwie lösen werden. Vielmehr entsteht sie dort, wo Menschen ihre eigenen Handlungsmöglichkeiten erkennen und nutzen.

Dabei rückte Fritze drei Bereiche in den Mittelpunkt: Sinn, Emotionen und Energie. Veränderung fällt leichter, wenn wir einen Sinn darin erkennen. Gleichzeitig spielen unsere Emotionen eine wichtige Rolle. Angst, Trauer, Wut oder Freude beeinflussen, wie wir Situationen wahrnehmen und auf sie reagieren. Hinzu kommt die Frage nach der eigenen Energie: Wie geht es mir gerade und was kann ich tun, damit es mir ein Stück besser geht und damit wieder wirksamer werde?

Ein weiterer Gedanke der Keynote war deshalb die bewusste Selbstwahrnehmung. Was passiert gerade bei mir? Was möchte ich erreichen? Und was kann ich konkret tun? Diese Fragen lenken den Blick weg von Dingen, die außerhalb des eigenen Einflusses liegen, hin zu den Bereichen, die sich tatsächlich gestalten lassen.

Damit verbunden ist das Erleben von Selbstwirksamkeit. Wer merkt, dass das eigene Handeln etwas verändert, stärkt auch die eigene Zuversicht. Hilfreich kann dabei der Blick zurück sein: Welche schwierigen Situationen habe ich bereits bewältigt? Welche Erfahrungen und Fähigkeiten haben mir damals geholfen? Das Wissen um bereits Geschafftes kann Sicherheit für neue Herausforderungen geben.

Auch der Umgang mit Neuem spielte eine Rolle. Fritze warb dafür, Veränderungen stärker als Experiment zu verstehen. Zwischen der vertrauten Komfortzone und einer Situation, die uns überfordert, liegt eine Wachstumszone. Dort können neue Erfahrungen entstehen, wenn wir uns Schritt für Schritt an Unbekanntes heranwagen.

Dabei entscheidet auch unsere Wahrnehmung darüber, wie wir eine Situation bewerten. Wir sehen die Welt nicht völlig neutral, sondern immer durch persönliche Erfahrungen und Erwartungen. Den eigenen Fokus bewusst zu hinterfragen, kann deshalb dabei helfen, Handlungsmöglichkeiten zu erkennen, die zunächst vielleicht verborgen bleiben.

Aus Zuversicht wird damit kein abstraktes Gefühl, sondern etwas, das durch konkretes Tun wachsen kann. Genau das brachte Nicola Fritze mit ihrem Satz auf den Punkt: „Zuversicht für die Zukunft entsteht durch Handeln in der Gegenwart.“ 

 

Vom persönlichen Umgang mit Wandel zur unternehmerischen Realität 

In der anschließenden Podiumsdiskussion liefen viele Gedanken des Tages noch einmal zusammen. Nicola Fritze, Jens Titze (Geschäftsführer der PURAKON GmbH) und Marcus Schmidt (CEO von Beyond Imaging) griffen Themen aus der Keynote und den Workshops auf und übertrugen sie auf den unternehmerischen Alltag. Moderiert wurde die Runde von Dr. Stephanie Rohac.

Dabei wurde deutlich: Veränderung lässt sich nicht immer angenehm gestalten. Neue Geschäftsmodelle, veränderte Strukturen oder schwierige wirtschaftliche Entscheidungen können auch bedeuten, Gewohntes infrage zu stellen und Menschen mit Situationen zu konfrontieren, die zunächst unbequem sind.

Eine Quintessenz der Diskussion lautete deshalb sinngemäß: Gewisse Zumutungen sind manchmal erforderlich.

Das steht nicht im Widerspruch zum Gedanken der Zuversicht. Im Gegenteil: Wer Veränderung ernst nimmt, kann nicht versprechen, dass jeder Schritt leicht sein wird. Entscheidend ist vielmehr, nachvollziehbar zu machen, warum Veränderungen notwendig sind, Orientierung zu geben und dort Gestaltungsspielräume zu eröffnen, wo sie tatsächlich bestehen.

Damit schloss sich auch der Kreis zur Keynote von Nicola Fritze: Zuversicht bedeutet nicht, schwierige Situationen auszublenden. Sie entsteht durch das Erleben, selbst handeln und Einfluss nehmen zu können. Für Unternehmen heißt das auch, notwendige Veränderungen nicht aufzuschieben, sondern sie bewusst anzugehen.

 

So brachte „Fit für die Zukunft 2026“ unterschiedliche Seiten desselben Themas zusammen: die persönliche Haltung gegenüber Veränderung, die Weiterentwicklung von Geschäftsmodellen, den Umgang mit schwierigen Unternehmenssituationen und die Frage, wie Menschen in Veränderungsprozesse einbezogen werden können.

 

Vielen Dank an die SCHNEIDER + PARTNER Beratergruppe und WIRTSCHAFT IN SACHSEN für die erneute Zusammenarbeit. Ebenso danken wir allen Referierenden, Diskutierenden und Teilnehmenden für ihre Perspektiven und den Austausch vor Ort.

Denn Zuversicht ersetzt keine unternehmerische Entscheidung. Sie kann aber der Anfang dafür sein, eine zu treffen. 

 

 


 

Die Impulse in die eigene Unternehmenspraxis übertragen

Wie entwickeln wir ein Geschäftsmodell weiter, bevor wirtschaftlicher Druck uns dazu zwingt? Wie erkennen wir neue Geschäftsfelder? Und wie nehmen wir Mitarbeitende mit, wenn aus einer Entscheidung eine tatsächliche Veränderung im Unternehmen werden soll?

 

An diesen Punkten setzen auch unsere Weiterbildungsangebote an.

  • Wer die Themen aus dem Workshop von Claudia Gränitz-Kleiber weiterverfolgen möchte, findet mit unserem Hochschulzertifikat „Business Development Manager“ eine Möglichkeit zur Vertiefung. Das berufsbegleitende Programm richtet sich an Führungskräfte und Entscheider:innen im Mittelstand, die neue Geschäftsfelder identifizieren, Geschäftsmodelle entwickeln und Innovationsprojekte vorantreiben möchten. Zu den Inhalten gehören unter anderem Markt- und Wettbewerbsanalysen, digitale Geschäftsmodelle sowie Innovations- und Wissensmanagement.

    ➡️ Zertifikat Business Development Manager
     
  • Auch die Fragestellungen aus dem Workshop von Andreas Barth können bei MIKOMI weiter vertieft werden. Unser dreitägiges Seminar „Veränderungsmanagement“ beschäftigt sich mit Modellen und methodischen Ansätzen für Veränderungsprozesse, der Umsetzung konkreter Veränderungsmaßnahmen und der Kommunikation im Wandel. Ein Schwerpunkt liegt dabei auch auf der Einbindung der Menschen, die von Veränderungen betroffen sind. Dieses Angebot zielt vor allem Fach- und Führungskräfte, die Veränderungsprozesse gezielt gestalten und begleiten. Referent des Seminars ist ebenfalls Andreas Barth.

    ➡️ Seminar Veränderungsmanagement

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