Transformation beginnt dort, wo Menschen, Regionen und Unternehmen miteinander in Bewegung kommen.

Rückblick auf den Wirtschaftsdialog im Rahmen des European Peace Ride 2026

Auch 2026 war MIKOMI wieder Partner des European Peace Ride (EPR). Für uns ist der EPR dabei weit mehr als eine Radsportveranstaltung. Er verbindet Sport mit gesellschaftlichem Dialog, schafft Begegnungen über Regionen und Ländergrenzen hinweg und bietet einen besonderen Rahmen, um Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur miteinander ins Gespräch zu bringen.

An dieser Schnittstelle setzt auch unsere Arbeit als Institut für Mittelstandskooperation der Hochschule Mittweida an. Wir bringen Unternehmen zusammen, schaffen Räume für Austausch und übertragen wissenschaftliche Perspektiven in die Praxis.

Der inhaltliche Schwerpunkt lag für uns am Freitag, dem 11. September. Bereits zum vierten Mal organisierten wir den Wirtschaftsdialog im Sonderzug der Erzgebirgsbahn. In diesem Jahr führte die Reise von Chemnitz nach Zittau und stellte das Thema Transformation in den Mittelpunkt.

 

Vom Sonderzug zum mobilen Dialograum

Noch bevor das Peloton in Zittau auf seine erste Etappe startete, kamen im Sonderzug Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zusammen. Die Fahrt wurde damit zum mobilen Begegnungs- und Arbeitsraum.

Transformation war dabei bewusst breit gedacht. Es ging nicht nur um neue Technologien oder Digitalisierung, sondern um Veränderungen von Unternehmen, Geschäftsmodellen, Führung, Regionen und gesellschaftlichen Strukturen.

Einen besonderen Anteil an der inhaltlichen Gestaltung hatten auch aktuelle Studierende aus unserem berufsbegleitenden MBA „Strategische Unternehmensführung“. Im Rahmen des Moduls Methodenkompetenz bereiteten sie drei Wissenswerkstätten vor und brachten dafür konkrete Fragestellungen aus ihren eigenen Unternehmen mit.

Die erste Wissenswerkstatt beschäftigte sich mit der Frage, wie Mitarbeitende auf Veränderungen reagieren und wie Unternehmen mit Widerstand umgehen können. Zum Einstieg simulierte ein Rollenspiel eine Mitarbeiterversammlung, in der eine Produktionsumstellung und zugleich das Ausscheiden des Geschäftsführers kommuniziert wurden. Anschließend ordnete die Gruppe mögliche Reaktionen, Ursachen für Widerstand und geeignete Umgangsweisen gemeinsam ein.

Dabei wurde zwischen Widerspruch und Widerstand unterschieden. Ablehnende Reaktionen müssen demnach nicht bedeuten, dass Mitarbeitende eine Veränderung grundsätzlich verhindern wollen. Ursachen können beispielsweise Unsicherheit, fehlende Informationen oder persönliche Betroffenheit sein. Für die Gestaltung von Veränderungsprozessen folgt daraus, die Gründe hinter einer Reaktion genauer zu betrachten und Betroffene frühzeitig einzubeziehen.

Die zweite Wissenswerkstatt nahm den technologischen Wandel durch Künstliche Intelligenz aus Sicht von IT-Unternehmen in den Blick. Mithilfe einer SWOT-Analyse wurden Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken gemeinsam eingeordnet.

Im Austausch wurde sichtbar, dass KI nicht nur Prozesse und Geschäftsmodelle der Kunden von IT-Unternehmen verändert. Auch die IT-Dienstleister selbst müssen ihre Rolle weiterentwickeln. Neben der technischen Umsetzung gewinnt die Beratung an Bedeutung: Unternehmen müssen gemeinsam mit ihren Kunden prüfen, wo der Einsatz von KI sinnvoll ist, welche Veränderungen damit verbunden sind und wie neue Lösungen in bestehende Strukturen eingebunden werden können.

Die dritte Wissenswerkstatt stellte einen bereits durchlaufenen Veränderungsprozess aus der Praxis in den Mittelpunkt. Anhand dieses Beispiels wurde betrachtet, welche Rolle Vorbereitung, Begleitung und ein strukturiertes Vorgehen spielen.

Der Transformationsprozess wurde dabei als Aufgabe verstanden, die geplant und während ihrer Umsetzung aktiv gesteuert werden sollte. Dazu gehört auch, bestehende Vorgehensweisen zu hinterfragen und neue Denkwege zuzulassen. Storytelling machte den konkreten Verlauf des Praxisbeispiels nachvollziehbar.

Damit ergänzten sich die drei Wissenswerkstätten in ihrer Perspektive: Die erste betrachtete Veränderungen aus Sicht der betroffenen Mitarbeitenden, die zweite fokussierte technologische Veränderungen und die Weiterentwicklung von Unternehmen, die dritte den konkreten Ablauf eines Veränderungsprozesses.

Für unsere Studierenden war dieser Teil des Wirtschaftsdialogs zugleich ein Beispiel dafür, wie wir Weiterbildung bei MIKOMI verstehen: Wissenschaftliche Ansätze werden nicht losgelöst von der Praxis betrachtet. Die Teilnehmenden bringen Themen aus ihrem beruflichen Umfeld mit, reflektieren diese mit wissenschaftlichen Methoden und diskutieren ihre Erkenntnisse mit Menschen aus unterschiedlichen Branchen und Funktionen.

 

Zwei Regionen, ähnliche Fragen

Mit der Ankunft in Zittau verlagerte sich der Wirtschaftsdialog vom Zug in die Stadt. Nach einem gemeinsamen Weg durch Zittau verabschiedete die Wirtschaftsdelegation zunächst die Fahrerinnen und Fahrer des European Peace Ride auf ihre erste Etappe.

Danach ging es mit ein paar Grußworten von Thomas Zenker (Oberbürgermeister, Stadtverwaltung Zittau) und Ralph Burghart (Bürgermeister für Finanzen, Personal und Bildung, Stadt Chemnitz) sowie Gloria Heymann (Stadtverwaltung Zittau) nahtlos im Bürgersaal des Zittauer Rathauses weiter.
 

In der anschließenden Podiumsrunde diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und regionaler Entwicklung über Transformationsprozesse in der Lausitz und in Südwestsachsen.

Mit dabei waren Dr. Andreas Otto (Deutsches Zentrum für Astrophysik), Frank Müller (Handwerkskammer Dresden), Thomas Scholz (ARNIO GmbH und ARNELL | Arno Hentschel GmbH), Christian Sommer (Volkswagen Sachsen GmbH), Jan Götze (Fahrlogistik Götze GmbH), Kathleen Spranger (IHK Chemnitz), Prof. Dr. Jana Stolz-Römmermann (Hochschule Zittau/Görlitz) und Prof. Dr. Alexander Knauer (Hochschule Mittweida), der nicht nur dem Podium beiwohnte, sondern auch gemeinsam mit unserer Kollegin Claudia Gränitz-Kleiber moderierte.

Gemeinsam brachten die Podiumsgäste unterschiedliche Perspektiven auf regionale Veränderungsprozesse, Unternehmensentwicklung und die Rolle von Wissenschaft und Wirtschaft ein.

Im Mittelpunkt stand zunächst die Frage, was Transformation überhaupt bedeutet und ob sie eher als fortlaufende Entwicklung oder als deutlicher Bruch mit bestehenden Strukturen verstanden werden muss. Auch die Frage, wie transformationsbereit Unternehmen und Gesellschaft sind, spielte eine Rolle.

Am Beispiel der Lausitz wurde diskutiert, wie regionale Veränderungsprozesse verlaufen und welche Erfahrungen sich auf Südwestsachsen, Sachsen oder darüber hinaus übertragen lassen. Dabei wurde deutlich, dass Organisationen unterschiedlich schnell auf neue Rahmenbedingungen reagieren können. Regularien, Beteiligungsstrukturen oder internationale Abhängigkeiten können Entscheidungsprozesse verlängern. Kleinere Unternehmen verfügen dagegen teilweise über kürzere Entscheidungswege.

Auch Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und Robotik wurden in den größeren Zusammenhang eingeordnet. Technologische Veränderungen wirken sich auf Arbeitsprozesse, Qualifikationsanforderungen und den künftigen Personalbedarf aus. Damit betrifft der Wandel nicht allein Unternehmen. Auch Wissenschaft und Bildung müssen auf neue Anforderungen reagieren, beispielsweise durch die Weiterentwicklung von Studiengängen und Ausbildungsinhalten.

Die Diskussion führte Perspektiven aus Wirtschaft, Wissenschaft, Handwerk, Interessenvertretungen und regionaler Entwicklung zusammen. Als wiederkehrende Themen wurden Austausch, Vernetzung und die Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteure sichtbar. Zugleich blieben Fragen offen: Wie gehen Regionen mit einem künftig geringeren Arbeitskräfteangebot um? Wie gelangen wissenschaftliche Erkenntnisse in die Praxis? Und wie gelingt es, Entwicklungen nicht erst im Nachhinein zu beantworten, sondern frühzeitig mitzugestalten?

Gerade dieser Austausch zwischen Zittau beziehungsweise der Lausitz und Chemnitz beziehungsweise Südwestsachsen war ein wichtiger Bestandteil des Tages. Als Institut für Mittelstandskooperation möchten wir nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch Unternehmen und Akteure aus verschiedenen Regionen miteinander verbinden. Der European Peace Ride schafft dafür einen ungewöhnlichen Rahmen: Die sportliche Bewegung zwischen den Regionen wird gleichzeitig zu einer Verbindung zwischen Menschen, Unternehmen und Ideen.

 

Transformation in der Praxis: Besuch bei fit

Nach dem Wirtschaftsdialog und einem gemeinsamen Mittagessen führte der Weg weiter zur fit GmbH. Die Unternehmensbesichtigung bildete den praktischen Abschluss des Tages und knüpfte direkt an die vorherigen Diskussionen über Veränderungsfähigkeit an.

Denn auch bei fit ist Transformation kein einmaliges Projekt. Durch die Übernahme der BlueSun Group und sich verändernde EU-Regularien muss das Unternehmen Strukturen, Prozesse und Rahmenbedingungen immer wieder neu bewerten und anpassen. Bei der Führung erhielten die Teilnehmenden Einblicke darin, wie solche Veränderungen im Unternehmensalltag umgesetzt werden und welche Anforderungen daraus für Organisation und Produktion entstehen.

Damit wurde zum Abschluss des Tages noch einmal ganz praktisch sichtbar, worüber zuvor im Zug und im Rathaus gesprochen worden war: Unternehmen müssen Veränderungen früh erkennen, einordnen und ihre Strukturen kontinuierlich weiterentwickeln.

 

Transformation weiterdenken

Am späten Nachmittag fuhr der Sonderzug zurück nach Chemnitz. Hinter den Teilnehmenden lag ein Tag, an dem Transformation aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet wurde: aus Sicht von Mitarbeitenden und Unternehmen, im Zusammenhang mit KI und technologischer Entwicklung, auf regionaler Ebene und schließlich ganz konkret in der betrieblichen Praxis.

Für MIKOMI zeigte der Wirtschaftsdialog damit erneut, was solche Formate leisten können: Wissen aus Wissenschaft und Praxis zusammenbringen, Unternehmen aus unterschiedlichen Regionen miteinander vernetzen und Raum für Fragen schaffen, auf die es nicht immer sofort eine einfache Antwort gibt.

Wie Sport, Wirtschaft, Kultur und Mobilität am EPR-Wochenende in Dresden und Mittweida zusammenkamen, lesen Sie hier.
 

 


Fotos: Brand Spiders und MIKOMI

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