Interview mit Ute Haß
Seminar | 15. April 2014

Sie sei selbst nicht der geborene strukturierte Typ, erklärt ausgerechnet unsere Top-Trainerin für Zeitmanagement. Das macht das MIKOMI-Seminar von Ute Haß nur noch interessanter. Denn dadurch macht sie deutlich, dass auch unstrukturierte Menschen von gutem Zeitmanagement profitieren können. Das Geheimnis: Zeitmanagement ist etwas sehr Individuelles – zumindest nach Meinung unserer Referentin.

Frau Haß, es ist ja schon ein moderner Trend über seine Zeit nachzudenken. Warum wird das immer wichtiger?
Psychologische Erkrankungen haben in den letzten Jahren stark zugenommen. In den meisten Fällen resultieren sie daraus, dass Menschen sich gehetzt und überfordert fühlen. Deshalb ist Zeitmanagement so wichtig. Ich glaube der Wandel geht weg vom vollgepackten Multi-Tasking-Zeitplan zu einem selbstbestimmten Zeitmanagement.

Dafür müssen wir lernen, dass ein gutes Zeitmanagement nicht den Menschen bestimmt, sondern andersrum. Zurzeit packen wir immer mehr in unseren Alltag, doch das kann nicht der Sinn sein. Für mich persönlich sollten die Methoden nicht zur Belastung, sondern zur Entlastung führen. Unter diesem Fokus sehe ich das Zeitmanagement der Zukunft.

Kann damit sozusagen jeder zu einem „guten“ Zeitmanager werden?
Das ist schwierig, denn dadurch stellt sich wieder die Frage was ein guter und ein schlechter Zeitmanager ist. Ich sehe den Umgang mit der Zeit viel mehr als eine individuelle Sache an, jeder definiert Zeitmanagement für sich anders. Aber es ist wichtig zu wissen, welche Techniken zu einem passen und wie man seine Prioritäten setzt.

In der neuen Zeitmanagement-Literatur gibt es einen Spruch von den alten Indianern: „Wenn du es eilig hast, gehe langsam“. Erstmal ein Widerspruch für uns, aber es hat genau mit einem neuen Verständnis von Zeit, von Stress und Entspannung zu tun.

Deshalb geben Sie auch Zeitmanagement-Seminare?
Das Witzige dabei ist: Ich bin selbst nicht der geborene strukturierte Typ, aber ich habe mir das Thema für mich praktikabel erschlossen. Ich wende Methoden und Techniken aus der Literatur an. Das versuche ich meinen Teilnehmern zu vermitteln. Ich stelle auch immer Abwandlungen und Alternativen zu meinen Methoden vor, denn nicht jeder kann mit jeder Technik gleich gut umgehen. Ich hoffe die Teilnehmer lernen einen neuen persönlichen Umgang mit der Zeit und wie sie dadurch zufriedener werden.

Warum ist das für Führungskräfte besonders wichtig?
Die meisten Führungskräfte kommen an ihre Position, weil sie gute Fachleute sind. Das Problem dabei ist, dass sie das Führen oft nur am Rande lernen. Demzufolge ist ihr Alltag nach wie vor von vielen Fachaufgaben geprägt. Für neue Führungsaufgaben bleibt oft kein Raum und dann wird das Selbst- und Zeitmanagement sehr wichtig. Wir betrachten in dem Seminar auch, wie man Aufgaben den richtigen Teammitgliedern zuteilt und somit eine bessere Einteilung für alle schafft.

Haben Sie zum Abschluss ein Leitsatz, der Ihnen wichtig ist?
Ja, ich habe einen von Henry Ford, der auch in meinem Büro hängt: „Ob Sie glauben, Sie schaffen es oder Sie schaffen es nicht, Sie haben auf jeden Fall Recht.“ Aus meiner Erfahrung stimmt der Satz in 100 Prozent der Fälle.

Frau Haß, vielen Dank für das Gespräch.

Autorin: Lisa Fritsch (Mitteldeutsche Journalistenschule)