Podcast
Zielkonflikte zwischen Rendite und nachhaltiger Verantwortung
Orientierung in bewegten Zeiten
Steigende Kosten, volatile Märkte, technologische Disruptionen und geopolitische Unsicherheiten stellen insbesondere mittelständische Unternehmen vor enorme Herausforderungen. In solchen Phasen verdichtet sich der Druck auf Kennzahlen, Liquidität und kurzfristige Ergebnisse. Gleichzeitig stehen viele Organisationen vor der Frage, wie sie ihre Werte, ihre Nachhaltigkeitsziele und ihre Innovationskraft bewahren können, ohne wirtschaftlich ins Hintertreffen zu geraten. Der vermeintliche Gegensatz zwischen Rendite und Verantwortung wird damit zum zentralen Spannungsfeld unternehmerischer Führung.
Im Podcast diskutieren wir mit Miriam Schilling, Personalleiterin bei VAUDE, und Organisationsentwickler Felix Held, wie sich wirtschaftlicher Erfolg und nachhaltige Verantwortung verbinden lassen.
Zielkonflikte sind Ausdruck unternehmerischer Realität
Zielkonflikte sind kein Zeichen von Schwäche oder Fehlsteuerung, sondern eine normale Begleiterscheinung komplexer Organisationen. Wer unternehmerisch handelt, bewegt sich immer zwischen unterschiedlichen Erwartungen: Marktanforderungen, Kostenstrukturen, gesellschaftlichen Entwicklungen und den Bedürfnissen der eigenen Mitarbeitenden. Unternehmen, die zusätzlich eine klare Werteorientierung oder einen nachhaltigen Anspruch verfolgen, erhöhen diese Komplexität zunächst sogar. Doch genau darin liegt ihre strategische Chance. Wer Nachhaltigkeit nicht als Marketinginstrument, sondern als unternehmerische Haltung versteht, schafft Authentizität und nachvollziehbare klare Ziele, die für alle Mitarbeitenden und Stakeholder transparent und langfristig stabil sind.
Vertrauen als strategischer Erfolgsfaktor
Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten entscheidet sich, wie belastbar die kulturelle Basis einer Organisation ist. Vertrauen ist dabei keine weiche Kategorie, sondern ein strategischer Erfolgsfaktor. Es entsteht, wenn Führung verlässlich handelt, wenn Kommunikation transparent bleibt – auch bei unangenehmen Nachrichten – und wenn Unsicherheit nicht kaschiert, sondern verantwortungsvoll benannt wird. Mittelständische Unternehmen verfügen hier über einen strukturellen Vorteil: Nähe. Wo Geschäftsführung und Mitarbeitende nicht anonym voneinander getrennt sind, kann Vertrauen bewusster aufgebaut und gepflegt werden. Entscheidend ist jedoch die Konsequenz. Wer in guten Zeiten Offenheit verspricht, muss sie in schwierigen Zeiten einlösen.
Führung in unsicheren Zeiten
Von Führungskräften wird häufig erwartet, jederzeit souverän und lösungsorientiert zu agieren. Doch moderne Führung bedeutet nicht, auf alles eine Antwort zu haben. Sie bedeutet, Orientierung zu geben, auch wenn nicht jeder Schritt planbar ist. Das setzt Selbstführung voraus: die Fähigkeit, eigene Unsicherheiten wahrzunehmen, Emotionen zu reflektieren und dennoch handlungsfähig zu bleiben. Gerade in Phasen wirtschaftlicher Anspannung besteht die Gefahr, in hektischen Aktionismus zu verfallen. Strategische Klarheit entsteht jedoch nicht im Alarmzustand, sondern durch bewusste Reflexion und klare Priorisierung. Wer als Führungskraft authentisch bleibt und die eigene Haltung glaubwürdig vertritt, schafft Stabilität – selbst in bewegten Zeiten.
Stabilität sichern, Innovation ermöglichen
Ein häufiger Reflex in Krisensituationen ist die vollständige Konzentration auf Effizienz und Kostensenkung. Diese Perspektive greift jedoch zu kurz. Zukunftsfähige Organisationen schaffen es, zwei Logiken parallel zu denken: Sie sichern ihre Kernprozesse, standardisieren dort, wo es sinnvoll ist, und gewährleisten wirtschaftliche Disziplin. Gleichzeitig erhalten sie Räume für Innovation. Gerade der Mittelstand lebt von seiner Anpassungsfähigkeit und Kundennähe. Wer in unsicheren Zeiten den Blick ausschließlich auf kurzfristige Zahlen richtet, riskiert, den Anschluss an neue Entwicklungen zu verlieren – sei es im Bereich Digitalisierung, neuer Geschäftsmodelle oder veränderter Kundenbedürfnisse. Innovationsfähigkeit entsteht nicht durch Großprogramme allein, sondern durch eine Kultur, die Experimente erlaubt und Lernen fördert.
Der unterschätzte Hebel: Prioritäten klären
In vielen Unternehmen wächst die Arbeitsdichte kontinuierlich. Neue Anforderungen kommen hinzu, Prozesse werden erweitert, Berichtspflichten verdichten sich. Selten wird systematisch hinterfragt, welche Routinen noch sinnvoll sind. Gerade für mittelständische Strukturen kann hier ein erheblicher Hebel liegen. Nicht nur die Frage „Was müssen wir zusätzlich leisten?“ ist entscheidend, sondern ebenso „Was können wir bewusst beenden?“ Die regelmäßige Überprüfung von Meetingstrukturen, Abstimmungsprozessen und Dokumentationspflichten schafft Freiräume – zeitlich wie mental. Klarheit über Prioritäten reduziert Reibungsverluste und stärkt die Konzentration auf strategisch relevante Ziele.
Fazit: Haltung schafft Zukunftsfähigkeit
Rendite und Verantwortung stehen nicht im Widerspruch, sie stehen in Spannung. Diese Spannung produktiv zu gestalten, ist eine Kernaufgabe unternehmerischer Führung. Mittelständische Unternehmen, die Vertrauen stärken, transparent kommunizieren und sowohl Stabilität als auch Innovation bewusst steuern, erhöhen ihre Resilienz nachhaltig. Zielkonflikte werden dadurch nicht aufgelöst – aber sie werden gestaltbar. Und genau darin liegt die eigentliche Führungsleistung: Orientierung geben, wo Komplexität wächst, und Haltung zeigen, wenn einfache Antworten verlockend erscheinen.
Hier ist der ausführliche Podcast dazu:
Ob Nachhaltigkeitsprozess, Teamkultur oder Transformationsvorhaben – wir begleiten Unternehmen dabei, Orientierung zu gewinnen und Veränderung strategisch anzugehen.