Aktuelle Probleme des internationalen Personalmanagements
Wirtschaftsdialog | 13. November 2013

Über 50 Unternehmer, Vertreter regionaler Verbände, Professoren und Studenten besuchten den MIKOMI-Wirtschaftsdialog „Aktuelle Probleme des internationalen Personalmanagements“ in der Hochschule Mittweida. In Vorträgen und in entspannter Atmosphäre wurde gezeigt: Es lohnt sich Fachkräfte aus dem Ausland zu holen, aber es lauern auch juristischen Fallstricke.

„Es gibt heutzutage kaum ein Unternehmen, das nichts mit dem Ausland zu tun hat. Ob in der Beschaffung, im Verkauf oder durch internationale Geschäftspartner“, machte Prof. Ulla Meister, die durch den Abend führte, gleich zu Beginn deutlich. Auch immer mehr ausländische Fachkräfte arbeiten in Deutschland. „Kein Wunder, denn Deutschland schlittert geradezu in einen Fachkräftemangel hinein“, so Meister weiter. 

Der erste Referent und Geschäftsführer der Personalvermittlung „Tatenwerkgruppe“, Alexander Graf von Perponcher-Sedlnitzky, sieht die Situation sogar noch brenzliger: „Ich würde sagen wir schlittern nicht nur hinein, wir sind mittendrin. Der War for talents hat bereits begonnen.“

Kandidat muss nicht zu 100 Prozent perfekt sein

Um den Talentewettbewerb in Deutschland erfolgreich zu bestreiten, müsse die Willkommensmentalität weiter ausgebaut werden. Bestes Beispiel für Graf von Perponcher-Sedlnitzky ist Norwegen. „Der Bewerber muss dort die Anforderungen nur zu 60 bis 70 Prozent erfüllen. Die restlichen 30 werden vom Unternehmen in den Arbeitnehmer investiert.“ Das zahle sich auf lange Sicht aus, denn norwegische Unternehmen binden so Fachkräfte dauerhaft an sich.

Der Mensch muss sich nicht nur im Unternehmen wohlfühlen, sondern auch im Land. Unternehmer sollten Fachkräfte aus dem Ausland einen Mentor an der Seite stellen, der sie auch mal abends in die Kneipe mitnimmt. Die Kommunen sieht er aber genauso in der Pflicht: „Regionen wie Mittelsachsen müssen sich mehr anstrengen als Metropolen wie Berlin oder München.“ Auf lange Sicht müssen Regionen für Fachkräfte attraktiver werden, um diese besser zu integrieren."

Tipps von der Rechtsexpertin

Prof. Dr. Walther-Reining, Professorin für Arbeitsrecht an der Hochschule Mittweida, klärte über Voraussetzungen für Arbeitgeber auf, die bei der Beschäftigung ausländische Mitarbeiter zu beachten sind. Sie gab außerdem Einblicke in die Herausforderungen von internationalem Arbeitsrecht und zeigte Besonderheiten bei der Vertragsgestaltung auf. Am Ende Ihres Vortrages gab Sie Unternehmern einen Tipp mit auf den Weg: Auch wenn man die Möglichkeit hat, sich im ausländischen Arbeitsrecht zu bewegen, man solle immer beim deutschen Arbeitsrecht bleiben. Denn wenn Sie die Gesetzesänderungen in zwei verschiedenen Ländern beobachten müssen, wird der organisatorische Aufwand zu groß“, so Prof. Dr. Walther-Reining.

Im Anschluss an die Vorträge konnten sich Unternehmen und Studenten in gemütlicher Atmosphäre mit den Referenten austauschen. Damit ging eine erfolgreiche Veranstaltung an der Hochschule Mittweida zu Ende. Ein guter Ort, fand auch der Referent Graf von Perponcher-Sedlnitzky, „denn ausländische Fachkräfte sollten sich die Unternehmen am besten an der Hochschule schnappen, damit junge Talente möglichst früh eine Perspektive in unserem Land bekommen.“