4. Mittelsachsenforum in Burgstädt
Wirtschaftsdialog | 29. Oktober 2014

Arbeitgeberattraktivität im Mittelstand - mehr als nur Gehalt!? war das Thema des 4. Mittelsachsenforums - organisiert durch das Landratsamt Mittelsachsen und MIKOMI. Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, müssen Arbeitgeber neue Wege suchen, um Mitarbeiter zu finden und ein motivierendes Arbeitsumfeld zu schaffen.

Es sei doch eigentlich eine Ironie des Schicksals, dass 25 Jahre nach dem Mauerfall jetzt die Bedeutung von Arbeitgeberattraktivität diskutiert würde, so Uta Georgi, die Moderatorin des 4. Mittelsachsen-Forums. Die einst als menschenverachtend verpönte Marktwirtschaft habe sich mit den Jahren hoch entwickelt und zwinge Arbeitgeber jetzt dazu, ein attraktives Umfeld für ihre Mitarbeiter zu schaffen.

Landrat Volker Uhlig wird konkret: „Wer hätte gedacht, dass wir uns jemals solch einem Thema widmen wollen, widmen müssen.“ Es herrschen Rahmenbedingungen, wie sie vor zehn Jahren noch nicht vorhanden waren. Gerade kleinere Arbeitgeber seien mit den Anforderungen von Arbeitnehmern aber schnell überfordert und wissen nicht, wie sie die erwarteten Leistungen stemmen sollen. Uhlig mahnt trotzdem zur Weitsicht: „Morgen wird es uns einholen.“

Fachkräftemangel sehr präsent

Aus dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales ist Kristian W. Tangermann zu Gast. Er erklärt, dass die Bedeutung eines attraktiven Arbeitgebers Hand in Hand mit dem globalen Wettbewerb unserer heutigen Zeit, dem demographischen Wandel und dem rasanten Strukturwandel gehe.

 

„2025 wird es sechs Millionen weniger Erwerbstätige in Deutschland geben als noch 2010.“ Der Fachkräftemangel schwebt unübersehbar im Raum und die Zuhörer verstehen: Nur wer seinen Mitarbeitern ein geeignetes Umfeld bietet, kann entsprechende Leistungen erwarten.

Norwegens Arbeitswelt funktioniert anders

Hans-Joachim Polk berichtet aus dem einzigen Unternehmen aus den Top 100 mit Firmensitz in Sachsen, der Verbundnetz Gas AG. Den Zuhörern erzählt er von seinen gesammelten Arbeitserfahrungen in Norwegen: Dort gibt es, anders als in Deutschland, eine klare Jobzuteilung und eine viel höhere Priorisierung und Fokussierung auf die jeweiligen Aufgaben. Der Norweger arbeitet kaum im Schichtdienst, dafür in flachen Hierarchien, so dass der Arbeitgeber auf individuelle Probleme seiner Mitarbeiter gezielter eingehen kann.

Verhängnisvolle Distanz zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer

Die JELD-WEN Deutschland GmbH & Co. KG aus Mittweida ist bewusst individuell aufgestellt, auch trotz Verankerung in einem globalen Konzern und der damit einhergehenden amerikanischen Regularienflut. „Es sind oftmals die kleinen Dinge, die ein Unternehmen attraktiv machen“, erklärt Werkleiter Rainer Wais den Zuhörern und mahnt vor einer zu großen Distanz zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer: „Für Mitarbeiter sind Dinge wichtig, an die der Unternehmer gar nicht erst denkt. Für ihn mag ein Problem lapidar klingen, ist es für seine Mitarbeiter aber nicht.“ Ein weiterer Leitsatz bestimmt sein Handeln - dass sich Vorgesetzter und Mitarbeiter auf Augenhöhe begegnen sollen.

Die junge Generation lernt von dem Arbeitsleben der Eltern

In der anschließenden Podiumsdiskussion begrüßte Georgi neben den bisherigen Referenten auch Michael Dobritzsch der IMM Gruppe, der nach acht beruflichen Jahren in den alten Bundesländern nach Sachsen zurückkehrte. Thomas Kolbe von der Max Knobloch Nachf. GmbH aus Döbeln berichtete aus dem Blickpunkt eines mittelständischen Unternehmers und von dem Problem, geeignetes Personal zu finden und diese langfristig zu halten: „Die Mitarbeiter kommen nicht und erzählen von ihren Problemen, da muss man schon auf sie zugehen und auch den letzten abholen.“

Die Wertschätzung des Menschen sei wichtiger als sein Gehalt, ergänzt Tangermann und nickt zustimmend. „Die meisten Menschen verbringen den Großteil ihrer Zeit eben nicht mit dem Partner, sondern auf der Arbeit. Da muss man dann auch mal zuhören.“

Polk ergreift das Wort und erzählt von der jungen Generation, die das Arbeitsleben der Eltern miterlebt und das wachsende Problem Burn-Out beobachtet. „Gerade deswegen achtet diese Generation nicht nur auf ihr Gehalt, sondern auch auf die gesundheitlichen Aspekte und eine sinnvolle Work-Life-Balance.“

Der Mensch im Mittelpunkt
Kristian W. Tangermann (Bundesministerium für Arbeit und Soziales)

Leben und Arbeiten in Balance
Hans-Joachim Polk (Verbundnetz Gas AG)

Innovation. Bildung. Transfer.
Undine Schmalfuß (MIKOMI)