Rückblick zur Veranstaltung "Fabrik der Zukunft"
Wirtschaftsdialog | 01. Oktober 2014

Industrie 4.0 ist ein viel diskutiertes Thema. Für viele Mittelständler ist die Gesamtproblematik jedoch weitgehendes Neuland, zumindest in der aktiven Umsetzung. Die Frage ist, was kann Industrie 4.0 und wie relevant ist das für KMU auch gerade im Kontext zu Datensicherheit und Fachkräftemangel. Der Wirtschaftsdialog eröffnete den Unternehmern ein Forum für Erfahrungsaustausch und suchte nach Antworten.

Mitmachen ohne Ziel?

Des Kaisers neue Kleider erzählt die Geschichte eines Volkes, das nicht weiß, worum es geht und trotzdem mitmacht. Das Märchen erinnert in der modernen Wirtschaftswelt an die Geschehnisse im Zuge der Industriewende 4.0. Die Unternehmen machen mit, vernetzen und automatisieren, wissen aber nicht, wohin die Zukunft sie führen wird.

MIKOMI gab mit dem Wirtschaftsdialog „Fabrik der Zukunft. Auf dem Weg zur Industrie 4.0“ Anhaltspunkte und Raum zur Reflektion. Prof. Dr. Siegfried Wirth der TU Chemnitz ermahnte die Zuhörer: „Das Denken in vorhandenen Produkten und Prozessen ist nicht innovationsfördernd.“ Es bedürfe einem permanenten Drang zur Verbesserung, um dauerhaft wettbewerbsfähig zu bleiben. Die reale und digitale Welt verschmelzen zusehends, nur wer die Flexibilität innerhalb seines Unternehmens sichere, sei den immer spezifischer werdenden Aufträgen gewachsen.

Mensch-Maschine-Schnittstelle

Eine bedeutende Rolle spielt dabei die Schnittstelle vom Mensch zur Maschine. Trotz aller Automatisierung muss der Mensch immer im Mittelpunkt stehen. Rainer Wais, Werksleiter bei JELD-WEN Deutschland GmbH & Co. KG aus Mittweida, betonte: „Die Optimierung von Anlagen hat immer den Menschen im Blick“. Zukünftig werde der sich aber mit anderen Aufgaben und Anforderungen konfrontiert sehen. Noch seien die Benutzeroberflächen und Schnittstellen systemabhängig. Prof. Dr.-Ing. Leif Goldhahn der HS Mittweida stimmte zu: „Bisher verfügen wir nur über Einzellösungen für bestimmte Unternehmen und Aufgaben, wir brauchen aber sinnvolle und universelle Schnittstellen“. Die sächsische Wirtschaft braucht dafür qualifizierte Mitarbeiter und ein umfassendes Weiterbildungsangebot. „Wir müssen die Menschen schulen“, erklärte Prof. Dr. Siegfried Wirth und verdeutlicht den Teilnehmern des Dialoges die Schnelllebigkeit der modernen Technologien und das knappe Gut der vorhandenen Fachkräfte.

Die Frage nach dem Datenschutz

In der anschließenden Fragerunde sprach ein Teilnehmer die Sicherheit innerhalb der Vernetzung der Anlagentechnik an. „Ich möchte Herr meiner Daten bleiben!“, sagte er und erntete zustimmendes Raunen der anderen Zuhörer. Das Problem der Sicherung der Daten sei tatsächlich noch nicht gelöst, so Prof. Dr. Siegfried Wirth. „Digitale Daten sind für ein Unternehmen genauso wichtig wie deren Technologien und dürfen nicht nach außen gelangen.“ Rainer Wais summierte: „Wir haben noch wahnsinnig viel Luft nach oben.“

Corinna Robertz, MIKOMI