"Ich ziehe das Büro dem Homeoffice vor."

Leben, Arbeiten und Lernen an einer Stelle. Das ist eine Herausforderung, sagt Matthias Rudolph (MR), Geschäftsführer FirstAttribute Services GmbH und Student im MBA-Studiengang „Strategische Unternehmensführung“. Im Interview teilt er mit uns seine langjährigen Erfahrungen und erklärt, warum er das Büro dem Homeoffice eindeutig vorzieht.


MIKOMI: Arbeiten im Homeoffice ist heute für viele der Arbeitsmodus und mit vielen Herausforderungen verbunden. Für Dich ist das nichts neues, Matthias. Und dennoch sagst Du: Es ist schwierig…

MR: Zwischen 2013 und 2015 habe ich fast ausschließlich aus dem Homeoffice gearbeitet. Heute ist dies gezwungenermaßen aufgrund von Corona so. Damals hatte es den Grund, weil meine Firma sehr dezentral aufgestellt ist und die meisten meiner KollegInnen sich an anderen Standorten oder unterwegs bei Kundenterminen befanden. Damals fanden alle Abstimmungen über verschiedene elektronische Kommunikationswege statt – Telefon, Mail, Videochat. Als Dienstleistungsunternehmen im Bereich Software und Consulting ist die Umstellung auf Homeoffice aus rein technischer Sicht auch gar kein Problem, aber trotzdem hatte ich vor allem damals einige Schwierigkeiten damit. 

Online-Meetings unterscheiden sich inhaltlich zwar kaum von den persönlichen Meetings, aber es geht doch ein wichtiger Kommunikationskanal verloren. Aus meiner Erfahrung ist das Verhalten in realen Treffen völlig anders, irgendwie menschlicher und auch deutlich verhaltener. Wer das Milgram-Experiment kennt – auch wenn das ein extremes Beispiel ist – versteht eventuell was ich meine. Auch heutzutage findet immer noch ein Großteil unserer Team-Meetings online statt, meist sitzen jedoch mehrere KollegInnen hinter einem Bildschirm.

MIKOMI: Für Homeoffice braucht man Rituale. Wie schaffst Du die Trennung von Arbeit und Privatleben? 

MR: Ja, ebenfalls schwierig sehe ich die Tatsache, dass Wohnen und Arbeiten am selben Ort stattfinden. Man macht zwischendurch kurz noch etwas für den Haushalt und legt dafür noch Nachtschichten als Ausgleich ein. Diese Verschmelzung von Freizeit und Arbeitszeit sehe ich als besonders problematisch an. Man braucht sehr viel Disziplin und im besten Fall eine räumliche Trennung, um beides klar voneinander zu trennen. Ich hatte mein Homeoffice im Arbeits-/Gästezimmer eingerichtet und hab versucht den Raum außerhalb der Arbeitszeiten so gut wie möglich zu meiden.

Zusätzlich hat es mir persönlich sehr geholfen den Arbeitsweg zu simulieren. Ich habe mir also morgens ganz normal meinen Wecker gestellt, bin aufgestanden, habe mich fertig gemacht, bin fünf Minuten spazieren gegangen – manchmal habe ich mir gleich noch ein Brötchen beim Bäcker gekauft – und bin danach „auf Arbeit“ also zurück nach Hause in mein Arbeitszimmer gegangen. Zum Feierabend habe ich erneut einen kurzen Spaziergang zur Simulation des Heimwegs eingelegt. 

MIKOMI: Viele sprechen davon, dass sie im Homeoffice vereinsamen. Wie ist das bei Dir?

MR: Im Homeoffice sieht man jeden Tag immer dieselben Personen. Früher habe ich mich immer alle zwei Tage mit Freunden verabredet oder auch mal „Außentermine“ gemacht, um rauszukommen und andere Menschen zu sehen. Jetzt in Corona-Zeiten geht das natürlich erstmal nicht aufgrund der Kontaktbeschränkungen und der vielen geschlossenen Freizeitmöglichkeiten. Daher bleiben auch hier vorerst nur digitale Kommunikationswege. Alles in allem ziehe ich das Büro dem Homeoffice definitiv vor.

MIKOMI: Du hast auch Personalverantwortung. Wie gelingt es Dir Deine Rolle auszufüllen?

MR: Als Führungskraft habe ich die Aufgabe meine MitarbeiterInnen aus der Ferne zu Führen. Für uns hat es sich bewährt, dass es jeden Morgen um 9.00 Uhr „Daily Meetings“ in den einzelnen Arbeitsgruppen gibt, wo die verschiedenen Aufgaben für den Tag besprochen und verteilt werden. Um 16.00 Uhr gibt es dann ein gemeinsames Meeting mit allen KollegInnen, bei dem immer etwas mit mir besprochen wird. Dort stelle ich Entwicklungen dar, antworte auf Fragen oder die KollegInnen präsentieren Arbeitsergebnisse. Zwischendurch gibt es außerdem viele spontane oder auch geplante Abstimmungen.

MIKOMI: Vielen Dank für das Gespräch.

MIKOMI Empfehlungen

  • Schaffen Sie sich Routinen für die Arbeit im Homeoffice.
  • Wenn möglich, sorgen Sie für eine räumliche Distanz zwischen Ihrem Homeoffice-Arbeitsplatz und Ihren Ruhebereichen.
  • Bleiben Sie in Kontakt mit Ihrem Team. Legen Sie Zeiten für virtuelle Meetings oder Telefonkonferenzen fest. Besprechen Sie Detailinformationen, die nicht alle betreffen, besser individuell.

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