Plötzlich auch noch Lehrerin

Gestern kam über die Elternsprecher eine E-Mail mit einem großen Schulaufgabenberg für unseren großen Sohn. Unser Drittklässler muss nun also jeden Tag etwas für die Schule abarbeiten. Anders ist dieser Berg einfach nicht zu bewältigen. Keine leichte Aufgabe, sich so ganz plötzlich komplett selbst zu organisieren. Ohne die Motivation, dass die Mitschüler*innen um einen herumsitzen und dasselbe tun. Und ohne die Anleitung der Lehrerin. Das wird dann wohl ab jetzt meine Aufgabe. Ein tägliches Tagebuch und die Erarbeitung einer Buchvorstellung kommen übrigens noch hinzu. Das Kind braucht also definitiv meine Hilfe, soviel steht fest. Ich bin Organisatorin, inhaltliche Stütze und Helferin für die zu erledigenden Aufgaben und Motivatorin.

Und dann ist da noch das Kleinkind

Eine noch größere Herausforderung ist es aber, wenn noch ein Kleinkind mit zu Hause ist. Wie zu Hölle erkläre ich meiner Dreijährigen, dass sie sich jetzt mal bitte jeden Tag für ein bis zwei Stunden möglichst still selbst beschäftigen soll? Denn der große Bruder muss schließlich Hausaufgaben machen und Mama muss dabei helfen. Schlicht und ergreifend – nicht möglich! Aber Not macht erfinderisch und so versuche ich den Spagat zu lösen. Wir brauchen Struktur, das steht schnell fest.  

Jeden Tag eine festgelegte Lernzeit

Damit das Kind nicht jeden Tag diskutiert, dass es noch ganz schnell etwas zu Ende spielen muss, bevor die Schulaufgaben dran sind, haben wir gleich zu Beginn eine feste Schul- und Lernzeit gemeinsam ausgehandelt. Das hilft uns, das Gefühl einer festen Tagesstruktur zu haben und nicht so in den Tag hinein zu leben. Damit das Mittagessen kochen zeitlich auch noch passt, ist diese Zeit bei uns zwischen 9:30 Uhr bis 11:30 Uhr. Unser gemeinsames Ziel - jeden Tag 2 Stunden Schulaufgaben erledigen. Aber wie gehen wir mit dem Inhalt vor?

Einen Arbeitsplan erstellen

Glücklicherweise hat Lehrerin bereits vorgefertigte Übersichtstabellen mit allen zu erledigenden Aufgaben erstellt. Irgendwie hat das ganze jetzt auch noch was von Projektmanagement und Logistik: Aufgaben planen, was an welchem Tag erledigt werden muss. Schließlich wollen wir am Ende der Osterferien mit allem fertig sein. Gar nicht daran zu denken, wenn das Prozedere darüber hinaus noch weiter gehen muss.

Und was macht das Kleinkind?

Gut, der Plan für das Schulkind steht. Wie ist aber nun das Schwesterchen zufrieden zu stellen? Meine Idee - Hörspiele, beispielsweise aus der Online-Leihe der Stadtbibliothek, von MDR-Tweens den Podcast „Figarino“, Kinderradio „Kakadu“ von Deutschlandradio Kultur oder das Kinderradio „Kiraka“ vom WDR. Solange das Internet funktioniert zumindest eine Option. Und dann wäre da noch die Selbstbeschäftigung mit Stecker- oder auch Bügelperlen, Puzzle, Malen, Bausteine oder die Kugelbahn mit Murmeln. Zugegeben, das klappt auch nicht immer. Aber ich bleibe optimistisch und wenn ab und zu immer mal etwas Neues dazu kommt, was das Kind noch nicht kennt, kann das hoffentlich funktionieren.

Motivation schaffen

Das alles braucht Motivation. Bei mir, bei den Kindern, schlussendlich in der ganzen Familie. Aktuell helfen kleine Snackteller auf dem Schreibtisch - als kleine Motivation zwischendurch. Ob das eine dauerhafte Lösung ist, wird sich herausstellen. Und auch die Aussicht auf Filme und Computerspiele setzt Kräfte beim Nachwuchs frei. Vielleicht nicht ganz pädagogisch korrekt, aber besondere Umstände fordern eben besondere Maßnahmen. 

Und wenn das kleine Kind sich dann tatsächlich alleine beschäftigt, ist es auch möglich durch eigenes Arbeiten zu motivieren. Ich muss schließlich so "ganz nebenbei" auch noch meinen Job im Homeoffice erledigen. Ich setze mich dann also neben das Schulkind und arbeite am Rechner, wenn gerade keine Fragen aufkommen. Bin aber immer gleich da, wenn wieder etwas unklar ist.

Wir leben noch nicht einmal eine Woche in dieser Situation. Wir haben uns so gut es geht organisiert und versuchen uns auf diese Art und Weise durch den Alltag zu navigieren. Mal schauen, wie lange wir das so durchhalten.

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