„Mitarbeiterorientierte Personalarbeit in Unternehmen der Zukunft“
Wirtschaftsdialog | 12. Mai 2016

Laut einer von nextpractice durchgeführten Studie schätzen 77 Prozent der deutschen Führungskräfte ein, dass sie selbst nicht richtig führen. Viele Führungskräfte seien laut Frank Schomburg, Geschäftsführer von nextpractice in Bremen mit ihren Methoden in den 90er Jahren stehen geblieben. So seine Aussage auf dem  2. Landeskongress der Offensive Mittelstand Sachsen am 11. Mai 2016 in der Handwerkskammer Chemnitz. In mehreren Vorträgen und Workshops ging es hier um die „Mitarbeiterorientierte Personalarbeit in Unternehmen der Zukunft“

Und die zukünftige Personalarbeit ist vielschichtig. nextpractice-Geschäftsführer Schomburg  erwähnte in seinem Vortrag den sogenannten VUCA-Effekt (Volatilität-Unsicherheit-Complexität-Ambiguität). Das Unternehmen heute kämpft demnach mit unerwarteten und drastischen Veränderungen, mit wenig Berechenbarkeit, Globalisierung und Vernetzung bis hin zu vielfachen Sichtweisen auf ein Thema. Das impliziere entsprechend neue Team- und Organisationsformen. Hinzu kommt ein weiterer Wandel: In vernetzten Systemen entscheidet nicht der Anbieter, sondern der Nachfrager. Unternehmen müssen sich also mehr nach Wünschen und Anregungen von Kunden und auch Mitarbeitern richten.

Laut Achim Sieker vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales müssen sich Unternehmen in der Zukunft in vielen Arbeitsbereichen auskennen, z.B. Personalführung, Gesundheit und Diversity. Seitens des Bundes werde die Wirtschaft auf diesem Weg bereits unterstützt.

In einem Projekt der INQA (Initiative Neue Qualität der Arbeit) und der Offensive für Mittelstand wurden z.B. Entscheidungshilfen für kleine und mittlere Unternehmen entwickelt. Die neu entwickelten „Entscheidungshilfen Arbeit 4.0“ sollen Hintergrundinformationen geben und Zusammenhänge erklären, damit Potenziale von Themen wie „Cloud Computing“ für das eigene Unternehmen erschlossen werden können.

Und das ist gerade für KMU von Bedeutung, die 74 Prozent aller Arbeitsplätze in Deutschland stellen. Den Anschluss an das digitale Zeitalter dürfe Deutschland hier nicht verlieren. Und auch das erfordert vielschichtiges Denken. „[…] hinter Industrie 4.0 steht Arbeit 4.0“, sagte Dr. Hartmut Mangold, Staatssekretär des Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (SMWA), und dessen sollte man sich bewusst sein. Zudem deutete er auf Probleme wie immer älter werdende Mitarbeiter und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie hin. Regionale Projekte zur Fachkräfte-Sicherung, Maßnahmen zur Kooperation von Unternehmen, zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie und zur Einbindung von ausländischen Fachkräften sollen Abhilfe schaffen und werden vom SMWA unterstützt.

Das Thema Integration ist auch für Dr. Peter Schiekel, Geschäftsführer von SPS Schiekel in Dohna, von aktueller Bedeutung und ein erfolgreiches noch dazu. Durch einen massiven Rückgang an Bewerbern begann er vor einigen Jahren, spanische Arbeitskräfte einzustellen. Für die ausländischen Mitarbeiter mussten zwar Lösungen für Schwierigkeiten wie den Erwerb der deutschen Sprache oder Wohnungssuche gefunden werden, jedoch haben sich die Anstrengungen für Schiekel gelohnt. Er hat damit für sein Unternehmen eine Lösung gefunden, dem Fachkräftemangel zu begegnen.

Eine andere Sichtweise zum Thema Mitarbeiterführung und Fachkräftebindung zeigte Ulrike Schröder-Schubert auf. Die Geschäftsführerin der Orthopädie-Schuhtechnik-Schwarzenberg GmbH findet, dass für Mitarbeiter eine Arbeitsumgebung geschaffen werden sollte, in der sie sich wohl fühlen, dann spiele auch ein geringeres Gehalt keine Rolle. André Zeidler, Leiter Produktmarketing bei GETT Gerätetechnik GmbH in Treuen, betonte, dass Führungskräfte eine „verbindliche Vision“ davon haben sollten, was in den nächsten Jahren erreicht werden soll.

Deutlich wurde aber auch, dass die Umstellungen zum Unternehmen passen müssen und nicht selten einen längerfristigen Prozess erfordern. Carsten Krauß, Leiter Personal | HR Manager bei Magna Exteriors (Meerane) GmbH, berichtete in der abschließenden Podiumsdiskussion zum Thema „HR 4.0 – Zukunft ohne Management“, dass es in seinem Unternehmen ein umgekehrtes Organigramm gäbe. Die Mitarbeiter stehen dabei über den Geschäftsführern. Das verdeutliche, dass die Mitarbeiter das Rückgrat des Unternehmens sind. Zudem gibt es beispielsweise eine Unternehmensverfassung und ein Prinzip, welches Vorschläge für Verbesserungen initiiert. Eine solche Hierarchie kann nicht in jedem Unternehmen funktionieren, gab Krauß jedoch dabei zu bedenken.

Deutlich geworden ist wiederholt, dass es sich auf jeden Fall lohnt, einen Blick über den Tellerrand zu werfen, sich entsprechend weiterzubilden oder auch an anderen Unternehmen zu orientieren.

Text und Fotos: MIKOMI